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UN-Aktionstag gegen Genitalverstümmelung


Tansania

UN-Aktionstag gegen Genitalverstümmelung

Die Vereinten Nationen haben den 6. Februar 2017 zum “Null-Toleranz-Tag” für weibliche Genitalverstümmelung erklärt. Die Organisation geht davon aus, dass weltweit mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen von der Praxis betroffen sind. Dies reflektiere unter anderem “tief verwurzelte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, und extreme Formen von Diskriminierung von Mädchen und Frauen”, so die UN.

In Europa betrifft die Thematik geschätzt eine halbe Million Frauen und Mädchen, darunter 137.000 Fälle in Großbritannien, 29.000 in den Niederlanden und 13.000 in Belgien.

Traditionell ist die Verstümmelung in Afrika weit verbreitet und oft auch gesellschaftlich verankert. Die Ländergrafik gibt einen Überblick in der Altersgruppe von Frauen zwischen 15 und 49 Jahren.

Aufklärungsarbeit vor und hinter den Kulissen leisten Nichtregierungsorganisationen wie das in Afrika beheimatete Netzwerk gegen Genitalverstümmelung NAFGEM.

Francis Selasini, Exekutivkoordinator von NAFGEM, sagte im euronews-Interview anlässlich des UN-Aktionstages: “Mädchen werden ungefähr im Alter von 10 Jahren verstümmelt. Es ist eine traditionelle Praxis, um sie für die Ehe vorzubereiten.”

“Aber dank Änderungen im Gesetz und der Aufklärung über die Gefahren von FGM verringern sich die Vorfälle.”

“Die größte Herausforderung für die Beseitigung der FGM in diesen Regionen ist, dass sie mit der traditionellen Religion verbunden ist. Die älteren Frauen sind diejenigen, die das Ritual beaufsichtigen und es verleiht ihnen sozialen Status.”

“Wenn ein Mädchen nicht beschnitten worden ist, kann sie nach weit verbreiteter Ansicht nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Und so wollen die Frauen, dass Mädchen sich FGM unterziehen, damit sie integrierbar sind.”

In vielen afrikanischen Ländern ist die Praxis illegal, wird aber praktisch nicht von Behörden verfolgt. In Nahost und Asien gibt es meist keinen Straftatbestand. Aktuell ist FGM nur noch in wenigen afrikanischen Ländern legal.

Im Jahr 2010 wurden bei 70,8 Prozent der Frauen und Mädchen entsprechende Eingriffe registriert. Seitdem fiel der Anteil auf rund 58 Prozent.

Grace Uwizeye, Projektbetreuerin bei der Nichtregierungsorganisation Equality Now die mit NAFGEM kooperiert, sagte: “Die aktuelle Herausforderung, der wir Aktivisten gegenüberstehen, ist, dass Kinder in zunehmend jüngerem Alter verstümmelt werden.”

“Ein Grund dafür ist die Aufklärung an Schulen. Es werden mehr und mehr jüngere Kinder verstümmelt, weil sie keinerlei Form des Widerstands zu leisten imstande sind. Das betrifft sogar Babys.”

“Gesetze gegen FGM sind wichtig, weil sie starke Botschaften der Regierungen beinhalten. Dadurch können sich Ausübende der Praktiken und Verwandte, die die Rituale arrangieren, nicht mehr aus der Verantwortung stehlen. Stattdessen droht ihnen Strafverfolgung.”

“Änderungen passieren nicht über Nacht. Aktivisten müssen hart dafür arbeiten, tief verwurzelte und traditionelle Bräuche zu beeinflussen.”