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Drohnen - ein Risiko für den Linienflugverkehr


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Drohnen - ein Risiko für den Linienflugverkehr

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Ob Spielzeug oder professionelles Instrument für die Verkehrsüberwachung oder Filmaufnahmen: Drohnen nehmen immer mehr Platz im täglichen Leben ein. Aber sie können zur Gefahr werden – sowohl im Privat- wie im kommerziellen Gebrauch, sei es aus Versehen oder mit böser Absicht.



Was zum Beispiel, wenn eine Drohne in den Luftraum von Linienflügen eindringt? Was wird getan, um solche Gefahren zu verhindern?

Antwerpen, Belgien. Koen Vrints stellt hier Drohnen für die Film- und Fernsehindustrie her. In einem öffentlichen Park in Antwerpen testet er sein neuestes Produkt.



Da der Flughafen nicht weit ist, muss er den Luftraum genau kennen – und, da es sich um kommerzielle Zwecke handelt, ist für ihn in Belgien einen Drohnenpilotenschein Pflicht.

“Wenn man einen entsprechenden Kurs macht, bekommt man eine Menge Informationen über den Luftraum”, erzählt er. “Wir erhalten Pläne, auf denen wir sehen können, wo welcher Standort liegt, wo sich die Kontrollzone eines Flughafens oder ein Hubschrauberübungsplatz befindet und wir lernen, wie wir das auf der Karte erkennen können.”

Informationen, die mit Blick auf den wachsenden Drohnenmarkt entscheidend sind. 2025 könnte er nach Schätzungen der EU-Kommission 15 Milliarden Euro wert sein und bis 2050 gut 150.000 neue Jobs schaffen.



Damit die Drohnenpiloten an die Informationen und Regeln für den Luftraum herankommen, entwickelt die belgische Firma Unifly Software für sie. Zum Beispiel eine App, mit der man in Echtzeit sieht, ob der Bereich, in dem man seine Drohne fliegen lassen will, frei, nur mit Genehmigung passierbar oder aus Sicherheitsgründen ganz gesperrt ist. Geschäftsfeldentwicklungschef Jürgen Verstaen führt sie vor: “Wir wissen, dass wir uns hier in der Nähe eines Flughafens befinden. Und das System zeigt mir tatsächlich an, dass man hier nicht fliegen darf. Warum, weiß ich noch nicht. Ich klicke ein bisschen weiter, und dann wird es mir im Detail erklären, warum man hier nicht fliegen darf.”

Wie die Drohnen wird auch die Software ständig weiter entwickelt. Inzwischen gibt es eine App, die einen virtuellen Käfig um die Drohnen errichtet und sie daran hindert, aus diesem Käfig herauszufliegen, sie quasi gegen eine virtuelle Mauer fliegen lässt. Noch beruht solch eine Anwendung auf freiwilliger Nutzung, aber in der Zukunft könnte die Software gleich in die Drohnen eingebaut werden.



Technologie zur Vermeidung von Unfällen und Drohnenangriffen ist das Eine, Gesetze das andere. Derzeit sind die Drohnengesetze in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich. Drohnen im Privatgebrauch dürfen in etlichen Ländern auf privatem Gelände bis zu einem bestimmten Gewicht (bis zu einem oder fünf Kilogramm) und bis zu einer bestimmten Flughöhe legal ohne spezielle Lizenz benutzt werden. Beim kommerziellen Gebrauch, Geräten mit einem Gewicht von 5 – 150 kg und höheren Flughöhen ist zumeist eine Genehmigung oder ein Pilotenschein nötig. Doch nicht jeder weiß das oder richtet sich danach.



Eine europaweite Harmonisierung wird angestrebt. Beraten von den europäischen Luftsicherungsbehörden, hat die Europäische Kommission einen Fahrplan zur Verbesserung der Gesetzeslage aufgestellt. Mike Lissone, Drohnenexperte bei Eurocontrol:
“Die größte Herausforderung für uns ist, dass wir eine sehr konservative Luftfahrt-Community haben, in der wir ewig brauchen, um Veränderungen durchzusetzen. Denn alles soll sehr sicher bleiben. Andererseits taucht jetzt eine sehr innovative Industrie auf, die nicht fünf oder sieben Jahre warten will – die die Dinge gleich machen will.”

Zwischenfälle wie im August, als eine Drohne einem Airbus in München gefährlich nahekam, oder am Flughafen London-Heathrow zeigen den Handlungsbedarf.

Unterstützt von Eurocontrol

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