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Berlinale: Der Countdown läuft - Filme über Karl Marx und gesellschaftliche Nöte


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Berlinale: Der Countdown läuft - Filme über Karl Marx und gesellschaftliche Nöte

Der Countdown für die Berlinale läuft und seit Montag sieht man sie wieder am Potsdamer Platz in Berlin: Hartgesottene Filmfans, die für eine Kinokarte vor der Vorverkaufsstelle campieren. Besonders für die Wettbewerbsfilme muss man sich früh anstellen. Die Berlinale gilt als besonders politisches Filmfestival – diesem Ruf wird auch die 67. Auflage gerecht, meint Besucherin Martina Grotzki: “Es werden viele Problemfilme gezeigt. Uns trifft es mit Jobverlust, Geldverlust, Wohnungsverlust und dem Auseinanderbrechen der Familien. Es ist gut, dass das im Kleinen gezeigt wird, weil das Identifikationsfaktoren sind, mit denen man als Zuschauer arbeiten kann.”

Berlinale-Besucher Jeremy Andrew gefällt die Berlinale, weil sie ein Publikumsfestival ist: “Die Berlinale ist mein Lieblingsfilmfestival. Es ist für alle offen, nicht so wie Cannes oder Venedig, es ist nicht so abgehoben.”

Miriam Lesch war die Erste in der Schlange vor dem Ticketschalter. Sie freut sich auf Filme, die man sonst nicht sieht: “Ich komme nicht wegen der Hollywoodstars hierher, sondern wegen Filmen, die nicht so gehypt werden.”

18 Wettbewerbsfilme buhlen um den Goldenen Bären und mehrere Silberne Bären, darunter auch der österreichische Beitrag “Wilde Maus”. Josef Hader hat einen Film über einen alternden Kulturredakteur gedreht, der wegen Sparmaßnahmen gefeuert wird und auf Rache sinnt. Eine schwarze Komödie, die auch von gesellschaftlichen Nöten und den Abstiegsängsten der österreichischen Mittelschicht erzählt.

Im Biopic des Haitianers spielen August Diehl und Stefan Konarske Karl Marx und Friedrich Engels. “Der junge Karl Marx” läuft außerhalb des Wettbewerbs in der Reihe Berlinale Special.

Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt liegt noch nicht lange zurück – doch die Filmfans lassen sich von der allgemeinen Unsicherheit nicht beeindrucken: “Ich glaube nicht, dass man sich Sorgen machen muss”, so Jeremy Andrew. “Es ist ein Filmfestival, die Leute kommen hierher, um sich Filme anzusehen. Da sollte es keine Probleme geben.”

“Ich bin sonst schon sehr vorsichtig, aber in diesem Fall überhaupt nicht”, sagte Miriam Lesch. “Es passiert, was passieren soll, leider. Ich glaube, dass für jeden vorbestimmt ist, wann was passiert. Demzufolge: Wenn es mich hier vor der Kasse trifft, schade, aber dann bin ich wenigstens meinem Hobby nachgegangen.”

Eröffnet wird die Berlinale am Donnerstag mit dem französischen Wettbewerbsbeitrag “Django”. Der Film von Etienne Comar erzählt die Geschichte des legendären Jazzmusikers Django Reinhardt. Der französische Sinti wird aus seinem vermeintlich sicheren Leben im besetzten Paris der 1940er Jahre herausgerissen, als die Nazis ihn auffordern, auf Deutschlandtournee zu gehen. Django steht vor der Entscheidung, für ein Regime auf Propagandatour zu gehen, dass andere Sinti in Konzentrationslager deportiert.

Bis zum 19. Februar sind insgesamt 399 Filme zu sehen.

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