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"The Fairy Queen" von Henry Purcell in Wien: Etwas Magisches entsteht

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"The Fairy Queen" von Henry Purcell in Wien: Etwas Magisches entsteht

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Im Theater an der Wien war jüngst Henry Purcells Semi-Oper "The Fairy Queen" zu sehen. Im Orchestergraben: Les Talens Lyriques unter der Leitung von Christophe Rousset.

Es ist eine Hommage an die Magie, an Shakespeares Magie, die Magie der Bühne, die Magie der Liebe: The Fairy Queen war jüngst im Theater an der Wien zu sehen. Im Orchestergraben: Les Talens Lyriques, am Pult: Christophe Rousset. Purcells Werk basiert auf Shakespeares Sommernachtstraum und ist schwer zu inszenieren, denn es ist eine sogenannte Semi-Oper. Eine Mischung aus gesprochenen, getanzten, gesungenen Szenen, die musikalische Teile oft ohne Verbindung zum übrigen Bühnengeschehen. Um das heutige Publikum nun nicht mit zu langen und unzusammenhängenden Episoden zu strapazieren, wurde in Wien ein spannende Lösung gefunden.

Meinung

Man darf diese Musik nicht misshandeln.

Christophe Rousset Dirigent und Leiter von Les Talens Lyriques

“Eine Oper über ein Theaterstück in einem anderen Theaterstück”

Die französische Bühnenregisseurin Mariame Clément hat das Stück in Wien inszeniert. Sie sagt: “Typisch für den Sommernachtstraum ist das Theaterstück im Theaterstück. Schauspieler geben darin ja Laiendarsteller, die das Stück Pyramus und Thisbe aufführen. Wir dachten uns nun, wir heben das ganze in eine weitere Dimension und zeigen, wie The Fairy Queen geprobt wird, die Oper über ein Theaterstück in einem anderen Stück, und so weiter. Das ist dabei ein Vorwand, um Männer und Frauen in Situationen zu zeigen, die wir alle gut kennen. Wir zeigen ihre Emotionen, ihre Beziehungen, ihre Wirklichkeiten, die Dinge, die uns berühren und die so auch die Zuschauer berühren können, auch wenn sie die Welt des Theaters, der Oper, der Proben, vielleicht nicht kennen.”

Eine Musik voll Reiz und Charme

Dirigent Christophe Rousset sagt: “In dieser Musik steckt so viel Charme und Reiz, und das schon allein dadurch, dass sie das, was im damaligen Europa vor sich ging, musikalisch zusammenfasst: Die italienische Tradition, verschiedene französische Elemente, etwa Chöre, Tänze und die Intimität. Und natürlich gibt es viele englische Elemente. Diese spezielle Polyphonie und ihre reizvollen Dissonanzen, die Purcell in seiner Orchestrierung ausschöpft. Daneben die Intimität all dieser Lieder, die einander folgen.”

Farce und Verkleidung waren typisch für die damalige Zeit. Elemente, die die Wiener Inszenierung erfolgreich mitaufnahm. Christophe Rousset erklärt: “Auch wenn es hier Fanfaren, Trompeten und Pauken gibt, so würde ich doch sagen, ist das Interessanteste bei Purcell die emotionale, die sentimentale Seite. Ich versuche, das Publikum durch sie zu bewegen. Sie sind von seltener Qualität und verlangen nach einer sehr subtilen Darbietung. Man darf diese Musik nicht misshandeln. Man muss sehr vorsichtig mit ihr sein und darauf achten, dass sowohl Musiker als auch Sänger sehr vorsichtig sind, um nicht etwa einen sehr empfindlichen und zarten Effekt zu zerstören.”

Ein magischer Ort entsteht

Mariame Clément: “Der Zauberwald steht bei Shakespeare für viele verschiedene Dinge. In dieser Nacht, in diesem Raum zu diesem Zeitpunkt erleben unsere Figuren etwas, was sie nie zuvor erlebt haben, Dinge, die sie für immer verändern werden. Es ist ein Wald, es ist Nacht. Aber der Probenraum, die Bühne, das wochenlange Üben, auch das ist eine Art Zauberwald. Es entsteht ein magischer Ort, an dem die Gefühle aufkommen und vergehen, und an dem etwas geschaffen wird, das etwas Magisches hat.”