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Für das Gemeinwohl - und dennoch wettbewerbsfähig: Sozial- und Solidarwirtschaft


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Für das Gemeinwohl - und dennoch wettbewerbsfähig: Sozial- und Solidarwirtschaft

Die Sozial- und Solidarwirtschaft ist keineswegs ein Randsektor der Wirtschaft in Europa. Anders als in der klassischen Privatwirtschaft geht es in diesem Sektor nicht darum, Gewinne zu Gunsten des Besitzers oder der Anteilseigner zu machen, sondern dem Gemeinwohl, dem Nutzen der Gesellschaft zu dienen. Genossenschaften, Gesellschaften auf Gegenseitigkeit, Non-Profit-Organisationen, Stiftungen – das Erscheinungsbild ist vielfältig. Und genauso die Branchen: Von der Bank für erneuerbare Energien über den Gesundheits- und Bildungssektor und die Landwirtschaft bis zu Versicherungen. In Europa gibt es laut EU-Kommission rund zwei Millionen solcher Unternehmen, sie repräsentieren gut ein Zehntel aller Unternehmen in der EU. Gut elf Millionen Menschen sind dort beschäftigt – etwa sechs Prozent der Erwerbstätigen in Europa.



Sozial- und Solidarwirtschaft

  • Das Ziel klassischer Unternehmen ist, Gewinne zu Gunsten eines einzelnen Unternehmers oder der Anteilseigner zu machen. Ein wachsender Wirtschaftszweig setzt sich hingegen die Arbeit für das Gemeinwohl, zum Nutzen der Gesellschaft zum Ziel. Die Sozial- und Solidarwirtschaft hat ganz unterschiedliche Organisationsformen – Genossenschaften, Gesellschaften auf Gegenseitigkeit, Non-Profit-Organisationen, Stiftungen, Sozialunternehmen.
  • Zwei Millionen solcher Unternehmen gibt es in Europa, das ist etwa ein Zehntel aller Unternehmen in der EU. Mehr als elf Millionen Menschen arbeiten in dem Sektor, das entspricht rund sechs Prozent der Erwerbstätigen in der EU.
  • Genossenschaften spielen dabei eine wichtige Rolle. 180.000 Genossenschaften gibt es in Europa. Sie geben ihre Gewinne an alle Genossenschafter weiter, die meist auch ihre Mitarbeiter oder Kunden sind.

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Frankreich bemüht sich, diesen Wirtschaftszweig auszubauen: “Der Sektor repräsentiert zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes und mehr als zwei Millionen Stellen, das sind 14 Prozent der Arbeitsplätze im privaten Sektor in Frankreich”, resümiert die Staatssekretärin für Sozial- und Solidarwirtschaft, Martine Pinville. Eine der Genossenschaften ist die Union des Forgerons wenige Kilometer vor Paris. 1912 wurde sie von Pariser Hufschmieden gegründet. Heute arbeiten in der Schmiede fast hundert Leute. Der Umsatz liegt bei zwanzig Millionen Euro jährlich. Der Betrieb hat immer schwarze Zahlen geschrieben. Geschäftsführer Jean Lery Lecornier: “Unsere Kunden sind namhafte Firmen aus der Luft- und Raumfahrt, Atom- und Ölkonzerne. Wir liefern ihnen heute mit der Erfahrung von mehr als einem Jahrhundert Teile, die in Hightech-Ausrüstung eingebaut werden.” Ob Arbeiter, Abteilungsleiter, Chef oder Pensionär: Etliche Mitarbeiter sind auch Genossenschafter und gleichberechtige Anteilseigner am Unternehmen. Lecornier: “Wir geben ungefähr sechzig Prozent unseres Gewinns an die Mitarbeiter weiter. Das schafft eine Dynamik, eine Motivation und Polyvalenz bei den Posten. Und es schafft Wettbewerbsfähigkeit für das Unternehmen.”

25 Millionen Euro wurden gerade in neue Maschinen investiert. Die Entscheidung wurde wie alle wichtigen Entscheidungen von den Genossenschaftern gemeinsam gefällt. Darunter auch Qualitätsmanager Claude Faure: “Wenn ein Unternehmen Gewinn macht, geht dieser normalerweise an eine oder einige wenige Personen. In einer Genossenschaft wie unserer kommen alle Gewinne nicht einer einzelnen Personen zugute, sondern werden in den Betrieb investiert – einfach um ein bisschen weiter voranzukommen.”



Nicht nur solidarisch, sondern auch wettbewerbsfähig. Staatssekretärin Martine Pinville: “Es ist ein sehr robuster, standfester Wirtschaftszweig, der der Krise widerstehen konnte. Die Sozial- und Solidarwirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren dreimal mehr Stellen geschaffen als der klassische private Sektor.”


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