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Ostukrainer nehmen Abschied von getötetem Rebellenführer Giwi

Viele Menschen in der ukrainischen Stadt Donezk haben Abschied genommen von einem ermordeten Anführer der Aufständischen.

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Ostukrainer nehmen Abschied von getötetem Rebellenführer Giwi

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Viele Menschen in der ukrainischen Stadt Donezk haben Abschied genommen von einem ermordeten Anführer der Aufständischen. Nach deren Angaben kamen mehr als fünfzigtausend Trauernde.

Die Gebiete um Donezk und die Stadt Lugansk, auch bekannt als Donbass, haben sich von der Ukraine losgesagt. Sie sind seit jeher eher durch russische Sprache und Kultur geprägt. Seit bald drei Jahren führen die Aufständischen einen Kampf gegen die ukrainische Armee.

Der getötete Michail Tolstych, auch bekannt als “Giwi”, starb allerdings nicht im Kampf, sondern durch einen Anschlag. Durch sein Fenster wurde nach Angaben der Aufständischen eine Rakete gefeuert.

Als Anführer einer Aufständischeneinheit stand Tolstych seit zwei Jahren auf der Liste von Personen, gegen die die Europäische Union Sanktionen verhängt hat.

Für seinen Tod machen sich beide Seiten nun gegenseitig verantwortlich. Der Fall steht in einer Reihe mit anderen Anschlägen und Todesfällen. Erst am Wochenende wurde in Lugansk ein Anführer der Aufständischen bei einem Bombenanschlag getötet.

Nach einer längeren Waffenruhe sind die Kämpfe zwischen Armee und Aufständischen in letzter Zeit wieder aufgeflammt. Die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, nennt die neuen Kämpfe in der Ostukraine die heftigsten seit gut einem Jahr.

Der Schweizer Alexander Hug, Vizechef der OSZE-Ukraine-Mission, sagte, die Zahl der Explosionen durch verbotene Waffen wie Mörser, Panzer und Artillerie habe sich versechsfacht.

Die Kämpfe bei der Stadt Awdijiwka, an der Grenze zwischen beiden Gebieten, hatten seit Anfang Februar die Aufmerksamkeit wieder auf den Konflikt im Donbass gelenkt. Dutzende Menschen wurden getötet.

“Die Eskalation war für uns keine Überraschung”, sagte Hug. In Frontnähe sei die Rückkehr schwerer Waffen bereits seit langem beobachtet worden.

Vor dem zweiten Jahrestag der Minsker Abkommen über eine Waffenruhe hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den vereinbarten Wahlen in den abtrünnigen Gebieten eine Absage erteilt.

Es könne nicht gewählt werden, solange es dort russische Truppen gebe, sagte Poroschenko. Wahlen vor den Gewehrläufen von Besatzungstruppen seien unannehmbar.

Der Abzug ausländischer Truppen ist ein Punkt der Minsker Vereinbarungen von 2015. Allerdings bezieht Russland das nicht auf sich, weil
es ja nach eigener Darstellung gar keine Soldaten in der Ostukraine hat.

Das Abkommen war am 12. Februar 2015 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geschlossen worden. Es sieht einen Waffenstillstand und eine politische Friedenregelung vor.

Seitdem herrscht ein Stellungskrieg, die Front verschiebt sich nicht mehr. Geschossen wird trotzdem immer wieder: OSZE-Beobachter verzeichneten tausende Verstöße beider Seiten gegen die Waffenruhe.

Seit 2014 sind in dem Krieg im Osten der früheren Sowjetrepublik Ukraine rund zehntausend Menschen getötet worden, so schätzen die Vereinten Nationen. Unmittelbar zuvor hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim an sich gerissen.