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Gefahr durch Landminen: Iraks Bauern bitten um Hilfe

Nach der Vertreibung der IS-Miliz aus Ninive zeigt sich den Bauern ein Bild aus Chaos und Verwüstung.

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Gefahr durch Landminen: Iraks Bauern bitten um Hilfe

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Die IS-Dschihadistenmiliz hat in der irakischen Provinz Ninive eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Nach zwei Jahren Besatzung ist die Landwirtschaft völlig zugrunde gerichtet. Früher war Ninive bekannt als Kornspeicher des Landes.

Die irakische Armee hat die Dschihadisten aus dem Ostteil Mossuls und den benachbarten Dörfern vertrieben. Doch jahrelanger Terror und Missmanagement haben Bauern wie Sami Yuhani runiniert. Früher verkaufte er 100 Tonnen Getreide pro Jahr. Dann kamen die IS-Kämpfer, setzten eine Pistole an seine Schläfe und beschlagnahmten allen Grund und Boden im mehrheitlich christlichen Dorf Al-Hamdaniya.

Yuhani sagt, “wie soll ich all das wieder aufbauen? Wir hoffen auf die Hilfe von internationalen Organisationen, aber von der Regierung erwarten wir gar nichts. Wenn sie mich entschädigen, dann müssen sie gleichzeitig eine Menge anderer Menschen entschädigen – von Basra bis nach Duhok.”

Allein die Provinz Ninive erwirtschaftete früher 1,5 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr – rund ein Fünftel der Gesamtproduktion des Iraks. Seit dem Eingriff des so genannten Islamischen Staates sind es nur noch 300.000 Tonnen jährlich.

Es wird geschätzt, dass 70% der Bauern vor der IS-Miliz flohen. Die, die blieben, mussten hohe Abgaben zahlen, erinnert sich Abdel Salam Younis. ‘‘Es gab Büros, in denen wir eine Steuer entrichten mussten. Dem konnte man nicht entgehen, man musste zahlen. Sonst bekam man eine Strafe und wurde ins Gefängnis gesteckt,’‘ sagt Younis.

Trotz Steuer hat es der so genannte Islamische Staat nicht geschafft, die Landwirtschaft zu verwalten. Die Islamisten zahlten den Bauern 188 Euro pro Tonne, die Regierung hatte ihnen 565 Euro gezahlt.

Darüber hinaus beschlagnahmten sie 1,1 Millionen Tonnen Getreide, das in den Silos der Regierung lagerte. 40% der Maschinen wurden verkauft, um die IS-Miliz zu finanzieren.

Schlecht gewartete Maschinen und kaputte Bewässerungssysteme, die Bauern haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Teilweise müssen sie auch jetzt noch um ihr Leben fürchten.
Der Leiter des Bauernverbandes Aref Hassan appelliert an die Internationale Gemeinschaft: “Wir hoffen, internationale Organisationen untersuchen das Ackerland auf Sprengsätze und Landminen. Unsere Gegend hier war die Frontlinie im Kampf gegen die IS-Miliz und ist deshalb verseucht. Bauern können ihr Land nicht mehr bearbeiten.”

Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO schätzt, dass mehr als 2 Millionen Iraker derzeit hungern.