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"Sündenbock" Michael Flynn - aber wer war dann eigentlich schuld?


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"Sündenbock" Michael Flynn - aber wer war dann eigentlich schuld?

Mit dem Rücktritt seines Sicherheitsberaters hat Donald Trump auch den wohl größten Russlandfreund in seiner Mannschaft verloren.

Michael Flynn wurde ein Telefongespräch mit dem russischen Botschafter in den USA zum Verhängnis. Darin ging es auch um die Sanktionen vom Jahresende, als die USA 35 russische Diplomaten auswiesen, Russland aber auf Gegenmaßnahmen verzichtete.

Offenbar versprach Flynn am Telefon eine bessere Zusammenarbeit, sollte Russland seinerseits auf Ausweisungen verzichten – Ausweisungen, die zu diesem Zeitpunkt schon konkret angekündigt waren, die der russische Präsident Wladimir Putin dann aber überraschend doch nicht umsetzte.

Das geschah am 29. Dezember – die Sanktionen waren frisch, Trump war gewählt, aber noch lange nicht im Amt als Präsident, Flynn hatte demzufolge auch noch nicht seinen Posten.

Flynn habe gegen keine Regeln verstoßen, sagte jedoch Präsidentensprecher Sean Spicer. Es gehe hier nicht um eine rechtliche Frage, sondern um eine des Vertrauens. Das Vertrauen zwischen Trump und Flynn habe soweit abgenommen, dass sich etwas ändern musste.

Die Pressekonferenz mit Sean Spicer zum Rücktritt von Sicherheitsberater Michael Flynn

Flynn sieht sich nun als Sündenbock, wie er heute der Öffentlichkeit mitteilte. Aber auch darauf sei er stolz, ließ er wissen, wenn es der Regierung und dem Land diene.

Die oppositionelle Demokratische Partei teilt seine Meinung und sieht ihn ebenfalls als Sündenbock. Daraus zieht sie allerdings den Schluss, dass die wahren Verantwortlichen noch zur Rechenschaft gezogen werden müssten. So ergebe sich die Frage, in wessen Auftrag Flynn mit dem Botschafter gesprochen habe.

Trumps Sprecher sagte jedenfalls bei seinen Erklärungen, der Präsident habe Flynn dazu nicht angewiesen. Spicer hob auch hervor, Trump erwarte von Russland, dass es die Lage in der Ostukraine entschärfe und die Krim an die Ukraine zurückgebe. Er erwarte aber ebenso, dass die USA gut mit Russland auskämen.

Spicer sagte zudem, Trump habe Flynn zum Rücktritt aufgefordert. Bis dahin hatte es noch geheißen, der Sicherheitsberater sei von sich aus zurückgetreten.

Flynn hatte zunächst lange darauf bestanden, er habe mit dem Botschafter gar nicht über die Sanktionen gesprochen. Das sagte er zum Beispiel auch Vizepräsident Mike Pence. Später teilte er dann mit, er könne sich nicht völlig sicher sein.

Allerdings wurde das Gespräch des Botschafters routinemäßig abgehört und gelangte an die Presse. Flynn schrieb nun in seinem Rücktrittsgesuch, in der Hektik jener Tage habe er Pence aus Versehen unvollständig informiert.

Trump und Pence lobte er in dem Schreiben in höchsten Tönen – das war allerdings noch vor seinen Sündenbock-Tweets.

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