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Die Eislandschaft des Pluto


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Die Eislandschaft des Pluto

Das Eis auf dem Zwergplaneten Pluto ist so hart, dass es Gebirgsketten bilden kann. Die Gletscher sind aus gefrorenem Stickstoff. Eine wirklich seltsame Welt, mit allen möglichen unerklärten Phänomenen auf seiner Oberfläche. Dank der New-Horizons-Mission der NASA weiß man inzwischen ein bisschen mehr über ihn – aber vieles bleibt offen..

Seit seiner Entdeckung 1930 war Pluto ein Mysterium. Zuerst wurde er als Planet eingestuft, später, 2006, als Zwergplanet. ESA-Experte Elliot Sefton-Nash: “Wichtig bei Pluto ist, die Größenverhältnisse im Vergleich zum restlichen Sonnensystem zu verstehen. Wenn ich die Sonne hier auf dem Boden als Kreis mit 30 Zentimetern Durchmesser zeichne, dann müssen wir 35 Schritte weit gehen, um die Erde in diesem Maßstab zeichnen zu können. Die Erde muss dann drei Millimeter Durchmesser haben. Wenn wir jetzt Pluto im selben Maßstab zeichnen wollten, dann hätte er 0,3 Millimeter Durchmesser und läge einen Kilometer weiter. Sein größter Mond ist Charon, der etwa halb so groß ist. Und Pluto hat noch vier andere Monde, Styx, Nix, Kerberos und Hydra. Da ist also eine Menge los im Pluto-System, das ist nicht nur ein kalter, toter Stein.”



Extreme Topografie: Viertausender-Berge und drei Kilometer tiefes Becken


Die ersten Nahaufnahmen von Pluto mit hoher Auslösung machte im Juli 2015 die New Horizons-Sonde der NASA, als sie am Zwergplaneten und seinen Monden vorbeiflog. Was sie zeigte, war anders als alles, was wir bisher kannten. Pluto ähnelt weder den Gesteinsplaneten wie Erde oder Mars, noch Gasgiganten wie Jupiter oder Saturn. Selbst Wissenschaftler, die an der Mission mitarbeiten, wie Bernard Schmitt vom französischen Centre national de la recherche scientifique und PhD-Student Tanguy Bertrand waren verblüfft: “Weil man dort Gebirge findet, die bis zu viertausend Meter hoch sind, und dann ein riesiges Becken, das im Vergleich zum Durchschnittsniveau drei Kilometer tiefer liegt. Das sind enorme topografische Unterschiede für einen kleinen Himmelskörper wie Pluto”, erläutert Bertrand.

Über ein Jahr brauchte die New-Horizons-Sonde, um die Bilder und Daten des Pluto zur Erde zu senden. Jetzt gibt das gesammelte Material Aufschluss über eine Welt, die von Eis beherrscht wird. Schmitt: “Das Wassereis hier auf der Erde hat etwa Null Grad Celsius. Wie zum Beispiel in allen Gletschern in den Alpen. Es ist also relativ weich, es schmilzt, und es bildet Gletscher. Während das Eis auf Pluto minus 230 Grad Celsius hat und so hart wie Felsgestein ist. Auf Pluto bildet in der Tat das Eis die Gebirge.”


Wasser- und Stickstoffeis


Berge aus Wassereis und Ebenen aus Stickstoffeis, stellenweise Methanspuren.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es auch auf Pluto Jahreszeiten gibt, die Farbveränderungen auf seiner Oberfläche erklären würden. Bertrand: “Der Äquator ist uns ein Rätsel. Da gibt es kein flüchtiges Eis, nur den Sockel, Wassereis, bedeckt mit schwarzem Ruß aus diesem schwarzen Material, das durch die Photolyse von Eis durch UV-Strahlung ensteht. Es gibt da einen großen Farbkontrast zwischen den dunklen Stellen des Äquators und den hellen Bereichen im Norden, und diesem gigantischen Stickstoff-Gletscher, der so groß ist wie Frankreich.”



Der Gletscher inmitten des auffälligen Herzens, das von weitem auf Plutos Oberfläche zu sehen ist, wird als Sputnik Planum oder Sputnik-Ebene bezeichnet und ist nach Auffassung der Wissenschaftler weniger als eine Million Jahre alt, also eher jung. Für seine Entstehung und Erneuerung sind möglicherweise Umwälzströmungen im Eis verantwortlich.



Jahreszeiten auf Pluto


Wissen über Pluto kann beim Verständnis des Sonnensystems insgesamt helfen. Schon von daher hoffen die Forscher auf weitere Missionen… Sefton-Nash: “Es wäre fantastisch, wenn man einen Lander dorthin schicken könnte, um aus der Nähe die Strukturen und Mineralogie zu erkunden. Und um Pluto über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Denn wir haben ihn ja nur einen Moment lang gesehen. Die jahreszeitlichen Veränderungen könnten sehr viel Dynamik haben, wenn man ihn zum Beispiel ein Jahr lang beobachtet.” Und Schmitt sagt: “Wir hätten nicht gedacht, dass es da einen so dynamischen Planeten so weit entfernt von der Sonne geben würde. Das stellt uns vor viele neue Fragen. Aber eine Raumfahrt-Mission, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, ist eine erfolgreiche Mission.”

Mehr dazu:
www.br.de
www.tagesspiegel.de

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