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Moscovici: "Die Eurozone braucht einen Finanzminister"

Der Wirtschafts- und Währungskommissar der Europäischen Kommission, Pierre Moscovici hat mit Euronews über die Folgen des Brexit gesprochen und die Schaffung eines Finanzministeriums für die Eurozone…

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Moscovici: "Die Eurozone braucht einen Finanzminister"

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Der Wirtschafts- und Währungskommissar der Europäischen Kommission, Pierre Moscovici hat mit Euronews über die Folgen des Brexit gesprochen und die Schaffung eines Finanzministeriums für die Eurozone gefordert.

Euronews:
Wie wird sich der Brexit auf die europäische Wirtschaft auswirken? Wird er zu einer Schrumpfung der EU führen?

Pierre Moscovici:
Wir respektieren den Brexit, aber wir bedauern ihn zugleich, denn, in der Tat es handelt sich ja um ein wichtiges und starkes Mitglied der Union der 28. Aber auch ohne es werden wir eine sehr wichtige Wirtschaftsmacht bleiben, unter den führenden der Welt. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, so tendiert das Wachstum im Vereinigten Königreich nach unten, in diesem Jahr vielleicht noch weniger als wir erwartet hatten, aber der Zuwachs von 1,5% steht schon den 2% gegenüber, die vor dem Brexit erwartet wurden. 2018 erwarten wir nur noch 1,2%.
Auf die EU wird sich das hoffentlich nicht auswirken. Wir haben ein fünftes Jahr in Folge mit europaweitem Wachstum – und ein drittes in Folge, mit Wachstum in jedem einzelnen Mitgliedsstaat, und so sollten wir auch weitermachen.

Euronews:
Aber der Kontext wird doch immer problematischer, oder nicht? Trump in den USA, die Populisten im Aufwind in Europa, und manche Länder, wie Griechenland oder Italien nach wie vor in echten Schwierigkeiten. Welche Schritte sind notwendig, um den Euro und die Eurozone zu schützen?

Moscovici:
Dass es geopolitische Risiken gibt, sowohl innerhalb der EU wie auch außerhalb, ist offensichtlich. Die größten sind da jeweils Brexit und die neue Situation in den USA.
Was die Eurozone und die gesamte EU angeht, so arbeitet die Kommission an einem Weißbuch, das anläßlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge im kommenden März erscheinen soll. Was den Euro angeht, so müssen wir zu seiner schützenden Funktion eine von mehr Dynamik hinzufügen, undzwar durch mehr Institutionen, wie einen Eurozonen-Finanzminister, der gegenüber dem Europaparlament verantwortlich ist, aber auch eine fiskale Kapazität besitzt, die es ermöglicht, die Unterschiede innerhalb der Eurozone zu verringern. Zum einen, indem man mehr investiert zum anderen indem man die Arbeitslosigkeit abbaut.
Das ist die Richtschnur, an der wir uns orientieren sollten, wenn wir nicht nur Stabilität, sondern auch wirtschaftlichen Fortschritt und wirtschaftliche Konvergenz erreichen wollen.