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Hungersnot im Südsudan

Bald Hälfte der Bevölkerung betroffen

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Hungersnot im Südsudan

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In Teilen des Südsudan herrscht eine Hungersnot, das hat die Regierung jetzt offiziell bekanntgegeben. Und die Lage wird wohl noch schlimmer werden: Im Juli werden schätzungsweise für die Hälfte der Bevölkerung nicht genug erschwingliche Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Ab wann ist es eine Hungersnot?

Eine Hungersnot wird nicht willkürlich erklärt, und nicht jede Form der Unterernährung ist eine Hungersnot. Die Vereinten Nationen haben Regeln aufgestellt, ab wann eine Hungersnot festgestellt wird.

Demnach müssen unter anderem folgende Voraussetzungen vorliegen: mehr als 30 Prozent der Bevölkerung sind akut mangelernährt, mehr als zwei von 10.000 Menschen sterben täglich (mindestens 0,02 Prozent), weniger als vier Liter Wasser pro Person und Tag, die Menschen haben keinen Zugang zu Nahrung und anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Hungersnöte wurde in den vergangenen Jahren unter anderem für Somalia erklärt. Für den Südsudan haben die Vereinten Nationen bereits 2014 vor einer Hungersnot gewarnt.

Übrigens beklagen die Vereinten Nationen, die Fokussierung der Medien auf das Wort "Hungersnot". Ein Vertreter der Welternährungsorganisation sagte 2010 auf einem Kongress, wenn es keine echte Hungersnot sei, würden die Medien nicht über Fälle von Hunger berichten.

“Wir verwenden das Wort nicht leichtfertig und ich möchte es eigentlich auch gar nicht verwenden, aber es ist nun einmal, was es ist: eine Hungersnot”, sagt auch Challiss McDonough vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. McDonough ringt um Worte, um den Hunger zu beschreiben, ausgelöst durch den drei Jahre andauernden Bürgerkrieg.

“Ich habe etwas angebaut und auf die Ernte gewartet”, erzählt Sidah Hawa in einem Flüchtlingslager in Uganda, “das habe ich alles wegen des Krieges verloren. Sie töten die Menschen, viele sind schon gestorben. Ich habe Angst um mein Leben.”

2011 wurde der Südsudan unabhängig, danach begann ein Kampf um die Macht in dem erdölreichen Land. Dreieinhalb Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, etwa ein Viertel der 12 Millionen Südsudanesen. Die Brüche durch die Gesellschaft gehen entlang ethnischer Linien, zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Die Vereinten Nationen warnen inzwischen vor einem Völkermord.

Die Sicherheitslage ist aber auch abseits des eigentlichen Konflikts desolat: Immer wieder gibt es Plünderungen, sexuelle Übergriffe und Angriffe bewaffneter Gruppen. Helfer berichten, in einigen Regionen fürchten Bauern, ihre Felder zu bewirtschaften.