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Airbus will nicht länger für Militärtransporter A400M "bluten"


Wirtschaft

Airbus will nicht länger für Militärtransporter A400M "bluten"

«Wir müssen die Blutung stoppen und Risiken aus dem Programm nehmen», so Airbus-Chef Tom Enders. Soll heißen: Angesichts der anhaltenden Probleme mit dem Militärtransporter A400M verlangt der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus Zugeständnisse der Käuferstaaten. Bei neuen Verhandlungen mit den Kunden gehe es dem Unternehmen nicht um eine zusätzliche Finanzspritze wie im Jahr 2009 – sondern unter anderem darum, die hohen Vertragsstrafen für Verzögerungen zu reduzieren.

Airbus verbuchte im vergangenen Jahr Belastungen von 2,2 Milliarden Euro für das schon lange Problem-beladene A-400M-Programm – unter anderem wegen Schwierigkeiten bei den Triebwerken. Der Konzerngewinn sackte dadurch unter dem Strich um 63 Prozent auf 995 Millionen Euro ab, gut halb so viel wie von Analysten erwartet.

«Wir sind nicht zurück im Jahr 2009», so Enders. Damals hatten die Käuferstaaten das A400M-Projekt mit einer Finanzspritze in Milliardenhöhe vor dem Aus gerettet.

Deutschland hat 53 Exemplare des A400M bestellt – Stückpreis grob 175 Millionen Euro. Im Jahr 2022 soll die letzte Transall der Bundeswehr außer Dienst gestellt werden. Die befürchtete Lücke füllen neu bestellte Transporter vom Typ C-130J “Super Hercules” des US-Herstellers Lockheed Martin.

VIELE KÖCHE – UND EIN FLIEGER

Der Airbus A400M ist ein militärisches Transportflugzeug von Airbus Defence and Space. An der nach jahrzehntelangen Vorplanungen im Jahr 2003 in Auftrag gegebenen Entwicklung sind die sieben europäischen NATO-Staaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Türkei und Großbritannien beteiligt.

Ursprünglich wollte Airbus die Triebwerke kostengünstig beim amerikanischen Weltmarktführer Pratt & Whitney Canada beschaffen lassen. Allerdings bestanden die europäischen Staaten beim Vertragsabschluss darauf, dass diese bei einem europäischen Konsortium eingekauft werden müssten, das sie aber vollständig neu entwickeln musste. Trotz hoher Mehrkosten einigten sich die Staaten und der Luftfahrtkonzern EADS Anfang März 2010 auf den Bau des Flugzeugs.

Der A400M wurde aufgrund jahrelanger Verzögerungen bei Entwicklung und Produktion zunächst nur als Standard-Transporter ausgeliefert. Viele der vorgesehenen militärischen Fähigkeiten werden erst nach und nach eingeführt. Die endgültige Version soll 2018 bereitstehen und die vorher ausgelieferten Flugzeuge dann nachgerüstet werden.

Weil die fest bestellten Maschinen um mehrere Milliarden Euro teurer wurden – wovon Airbus den Hauptanteil der zusätzlichen Kosten selbst trägt – reduzierten die Bestellerstaaten die Anzahl der Flugzeuge immer weiter. Airbus-Chef Thomas Enders sagte dazu, die Mindestabnahme von 170 Exemplaren sei erforderlich, da die Herstellung sich andernfalls für Airbus nicht mehr rechnen würde. Airbus muss immer wieder Strafen zahlen, weil die Flugzeuge verspätet geliefert werden oder zunächst nicht können, was versprochen wurde. Vor knapp einem Jahr stürzte ein A400M in Spanien ab – vier Tote.

Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters

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