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Fantasio: Offenbachs Oper feiert Comeback in Paris


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Fantasio: Offenbachs Oper feiert Comeback in Paris

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Jacques Offenbachs Oper “Fantasio” kommt zurück nach Paris – ans Théâtre du Châtelet. Die Pariser Urfassung war über ein Jahrhundert lang verschollen beziehungsweise in alle Winde verstreut und wurde erst vor wenigen Jahren wieder mühsam zusammengesetzt.

Die Geschichte des Studenten “Fantasio”, der in die Rolle des Hofnarren schlüpft, um das Herz seiner Prinzessin zu erobern, und der am Ende einen Krieg abwendet, ist eine Opéra comique, Gesang und gesprochene Szenen wechseln sich ab.



Mezzosopranistin Marianne Crebassa in einer klassischen Hosenrolle: “Das ist eine komplexe Figur. In theatralischer Hinsicht, weil Fantasio sich verkleidet, weil er selbst also mitten im Stück die Persönlichkeit wechselt, und außerdem weil er schon in seinem Inneren eine vielschichtige Person ist, jemand, der gleichzeitig in sich gekehrt ist und waghalsig. Aber er ist auch desillusioniert. Die Musik streicht die gefühlvolle, die romantische Seite von Fantasio heraus, während die gesprochenen Partien eher seine revolutionäre Seite betonen, seinen Bandenchef-Charakter. Ich habe hier sowohl meine spontanen und spielerischen Züge eingebracht, die ich selbst im Leben habe, als auch eine tief melancholische Seite… Es gibt da auch große dramatische Momente, mit großem Schwung und flammenden Höhen. Ich musste mehr als eine Sängerin sein, ich musste Schauspielerin sein, viel unverfrorener, ich musste wirklich alles Schamgefühl fallenlassen.”



Mehr über Marianne Crebassa

Interview auf französisch


Die Uraufführung in Paris fand 1872 unter den Eindrücken des Deutsch-Französischen Krieges statt. Nach nur wenigen Vorstellungen wurde das Werk wieder aus dem Programm genommen. Auch die deutsche Version, wenig später in Wien uraufgeführt, wurde in den folgenden Jahrzehnten kaum gespielt (1927 in Magdeburg als “Der Narr der Prinzessin”).
Erst durch die akribische Suche nach Manuskript-Teilen, die unter anderem in Privatbesitz verstreut waren, konnte Jean-Christophe Keck in diesem Jahrhundert schließlich eine Neu-Edition vollenden.



Regisseur Thomas Jolly, selbst auch Schauspieler, hat brillant die Charakter-Nuancen des Protagonisten und auch des Komponisten herausgearbeitet: “Das ist ein Jacques Offenbach, der ein bisschen anders ist als der, den wir sonst kennen. Mit einer etwas schwereren Grundstimmung… ein bisschen intimer, mit dem Eingeständnis, dass er menschlich ist, mit weniger Humor, weniger Brillanz, weniger unterhaltsam, sondern nachdenklicher, introspektiver. Er ändert ja auch den Schluss der Vorlage von de Musset, und macht daraus einen echten Aufruf für den Frieden, ja sogar eine wahre Hymne, würde ich sagen, für den Frieden, denn er ist Pazifist.”



Die Arbeit mit den Sängern sei anders als die mit Schauspielern, so Jolly: “All die großen Sänger und Sängerinnen beeindrucken mich. Aber sie haben auch – und das ist die Qualität großer Künstler – die Demut und den Mut, mal ihre Technik sausen zu lassen und dieses Bemühen um Effizienz, das an der Oper herrscht, und bereit zu sein, zu suchen, sich zu irren, Neues auszuprobieren, wie man es sonst eher am Theater macht. Und dieses Bedürfnis, nicht immerzu effizient sein zu müssen, hat bei ihnen wie ein Ventil gewirkt, eine Möglichkeit, mal anders zu arbeiten, nicht für den sofortigen Erfolg, sondern dafür, etwas Neues zu schaffen, zu suchen, zu experimentieren, sich zu irren, zu scheitern, und dann, in einem bestimmten Moment, doch das Richtige zu finden!”

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