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Wenn die Leute die Kunst nicht bräuchten, wäre sie längst ausgestorben


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Wenn die Leute die Kunst nicht bräuchten, wäre sie längst ausgestorben

Mit Unterstützung von

Musica durfte die Kostümprobe von “Fantasio” am Théâtre du Chatelet in Paris filmen und Regisseur Thomas Jolly interviewen. Wir fragten ihn unter anderem, ob er optimistisch auf die Zukunft der Kunst blickt.

“Da ich aus der Normandie stamme, werde ich Ihnen auf normannisch antworten, Ja und Nein! Ich bin optimistisch, weil ich denke, je mehr wir am Bildschirm sitzen, je mehr wir in sagen wir einer Scheinwelt der Beziehungen leben, mit sozialen Netzwerken, Smartphones, Internet, desto mehr werden wir es nötig haben, hier, zusammen am selben Ort zur selben Zeit zu sein. Und das ist die Lösung, der es heute bedarf.



Deshalb werden die Theater voll sein, die Opernhäuser, die Live- und Kunstevents, sie sind das seit 2500 Jahren. Wenn es nicht ein echtes Bedürfnis nach diesen Künsten gäbe, dann wären sie längst ausgestorben – aber sie sind immer noch da.!

Gleichzeitig kann ich aber überhaupt nicht verstehen, wo wir in so turbulenten Zeiten leben, mit einer enormen Spaltung, dass diese als politisches Instrument genutzt wird. Das ist in meinen Augen gefährlich, denn das Wort Politik verstehe ich immer noch im hehren Sinne, also als polis, nach dem griechischen Ursprung, Stadt, also eine Einheit, und das ist nicht das, was gerade abläuft.



Nun ist aber die Kultur das Instrument, dank dessen wir zusammenleben können und das Instrument, um Sinnhaftes zu erzählen. Zwei Dinge, die uns heute fehlen. Sinnhafte Geschichten haben wir nicht, wir haben irgendetwas Vages für die Zukunft, und das schürt Ängste. Und das Zusammenleben wird durch diese Ängste untergraben. Ich verstehe nicht, warum es politisch keinen großen kulturellen Elan gibt, der diese Spaltung doch überwinden könnte. Ich denke, die Kultur, die Intelligenz können die Welt retten. Ich glaube daran, ich bleibe doch optimistisch!”


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