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Royal Bank of Scotland - oder wie die Finanzkrise beim britischen Staat landete

Die Royal Bank of Scotland (RBS) kommt einfach nicht aus den roten Zahlen.

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Royal Bank of Scotland - oder wie die Finanzkrise beim britischen Staat landete

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Die Royal Bank of Scotland (RBS) kommt einfach nicht aus den roten Zahlen.

Für das vergangene Jahr wies das britische Geldhaus 8,25 Milliarden Euro Verlust aus, mehr als drei Mal soviel wie 2015. Seit 2007 hat die verstaatlichte Krisenbank überhaupt keinen Jahresgewinn mehr gemacht. Stattdessen summieren sich die Verluste seither auf mehr als 68 Milliarden Euro.

Jeremy Batstone-Carr, unabhängiger Marktanalyst, London:

“Der Kernbetrieb läuft ziemlich gut. Also können einem am Ende die Mitarbeiter leid tun. Viele dürften ihre Arbeit verlieren, zur weiteren Kostensenkung, die jetzt angekündigt wurde. Sie bezahlen weiter den Preis für die Probleme, die die Bank im Vorfeld der Exzesse vor 10 Jahren geschaffen hat.”

“Dies ist eine starke Kernbank, die für ihre Sünden der Vergangenheit büßen muss”, sagte auch Vorstandschef Ross McEwan. Er will mit einem Sparkurs, Beteiligungsverkäufen und einem stärkeren Fokus auf den Heimatmarkt die Kurve kriegen.

Die traditionsreiche Bank aus Edinburgh betonte, 2017 könnte womöglich das letzte Jahr mit einem Verlust wegen der Altlasten aus der weltweiten Finanzkrise werden. Im vergangenen Jahr kosteten diese Sonderlasten 6,9 Milliarden Euro, vor allem wurde Geld für potenzielle Strafen in den USA zurückgelegt.

REKORDSTRAFE IN DEN USA ERWARTET

Nachdem dort bereits viele US-Institute und auch die Deutsche Bank Milliarden-Bußen gezahlt haben, rechnen Analysten bei der RBS mit einer Rekordstrafe. Es wird geschätzt, dass allein an das US-Justizministerium mehr als 10 Milliarden Euro gehen werden.

Die RBS war einst für kurze Zeit die weltgrößte Bank und hat in den USA ein großes Rad gedreht. Sie verkaufte aber wie viele Konkurrenten toxische Wertpapiere, die bei Anlegern zu hohen Verlusten führten und die Finanzkrise auslösten.

Von den britischen Großbanken steht RBS weiterhin am schlechtesten da. Auch Branchenprimus HSBC musste 2016 für Altlasten büßen, der Gewinn brach um fast zwei Drittel ein, summierte sich aber immer noch auf 6,7 Milliarden Euro. Lloyds machte deutliche Fortschritte und wies den höchsten Gewinn seit einem Jahrzehnt aus. Barclays – ebenfalls immer wieder von Skandalen erschüttert – meldete sich mit einem Milliardengewinn zurück. Standard Chartered kehrte 2016 in die Gewinnzone zurück und verdiente vor Steuern 387 Millionen Euro.

An der Londoner Börse verloren RBS-Aktien zum Wochenschluss 1,5 Prozent an Wert. Mehr als 70 Prozent der Anteile liegen weiter beim Staat, der das Institut 2008 gerettet hat. Ein Abbau des Pakets wird erst erwartet, wenn die US-Altlasten aus dem Weg geräumt sind.

Twitter-Sarkasmus:

su mit Reuters