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Brexit: Chance oder Reinfall für britische Unternehmen?


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Brexit: Chance oder Reinfall für britische Unternehmen?

Zwei britische Firmen mit zwei sehr unterschiedlichen Standpunkten zum Brexit

“Wir erwarten, dass mit dem Brexit die Umsätze enorm steigen.”

Den bevorstehenden Brexit sieht diese Firma für Luftkissenboote aus Kent als ihre große Chance. Sie exportiert viel, rund 80 Prozent ihrer Produkte gehen ins Ausland. Brexit, da sind sich die Chefs sicher, wird neue Märkte eröffnen. Besonders an die Orten, an die wegen der EU-Handelsabkommen schwer ranzukommen war.

Geschäftsführer Russ Pullen erzählt, was sich die Firma vom Brexit erhofft:
“Wir arbeiten schon an neuen Produkten, wir sind darauf vorbereitet, jetzt zu investieren. Wir haben praktisch keine Geschäfte in den vergangenen fünf Jahren mit der EU gemacht, hier und da ein paar Kleinteile, aber nichts Bedeutendes. Wir produzieren ohnehin alles fürs Ausland. Das heißt, sobald diese Handelsabkommen da sind und die Handelsschranken verschwunden sind, erwarten wir, dass die Umsätze enorm steigen.”

Damon Embling von Euronews in London:
“Nicht alle Firmen sehen das genauso. Man sagt, dass manche Firmen Großbritannien verlassen wollen. Aber es gibt sehr wenig konkrete Beweise, die diese Aussage stützen. Eine neue Studie zu Großbritanniens Start-Ups zeigt, dass lediglich ein Prozent der Firmen plant, ihren Firmensitz auf den Kontinent zu verlegen. Mehr als 60 Prozent haben es ausgeschlossen, einen europäischen Außenposten aufzumachen. Natürlich kann sich das ändern, wenn die Details des Brexit bekannt werden.

Wir wollen Büros in anderen Städten wie Berlin oder Lissabon aufmachen

Scoota ist ein Start-Up. Es konzipiert und produziert digitale Werbespots. Die Firma mit Hauptsitz in London ist gegen den Brexit. Sie befürchtet vor allem den Verlust von europäischen Talenten im Technikbereich.

Auch wenn die Firma ihren Hauptsitz in London behalten möchte, ist sie der Eröffnung eines europäischen Außenpostens nicht abgeneigt.

James Booth, Gründer und Geschäftsführer von Scoota:
“Meine Hoffnung ist, dass wir auch weiterhin einen Markt haben und so wie bisher den freien Personenverkehr nutzen können, denn wir brauchen Talente in London. Wir wollen Büros in anderen Städten wie Berlin oder Lissabon aufmachen. Zur Zeit ist es zu früh, um zu sagen, ob es sich strategisch für uns lohnt. In einem Jahr wird das sicher relevanter sein. Die USA sind auch ein wichtiger Partner für uns. Wir werden sehen, wie die Brexit-Verhandlungen vorangehen.”

“Erstmal abwarten”

Der Franzose Michael und Facund von der spanischen Insel Menorca arbeiten für Scoota. Auch sie warten ersteinmal ab: “Wir können jetzt nicht zurück, Großbritannien muss jetzt austreten. Wir hoffen, dass wir kein Visum brauchen oder höhere Steuern zahlen müssen. Im schlimmsten Fall der Fälle, wenn sie uns aus dem Land werfen, könnte ich wahrscheinlich aus der Ferne noch immer für diesselbe Firma arbeiten, als Selbständiger oder mit einer eigenen Firma.”

Während die britische Regierung die Vertragsbedingungen mit Brüssel verhandelt, versuchen Führungskräfte in einem Klima der Unsicherheit Lobby-Arbeit zu betreiben.

Industrie-und Handelskammer stellt zentrale Forderungen für Brexit

Die britische Industrie- und Handelskammer, die rund 70.000 Mitglieder repräsentiert, hat eine Liste mit zentralen Forderungen aufgestellt.

Marcus Mason von der britischen Industrie-und Handelskammer führt das Anliegen aus: “Diese betreffen zentralen Bereiche, wie Handel, wo die Unternehmen geringe oder keine Zollschranken in ihren Geschäften mit der EU haben wollen. Und der Arbeitsmarkt, wo die Firmen Zugang zu hoch- und gering qualifizierten Arbeitskräften aus der EU haben wollen, damit das Geschäft läuft. Ein anderer wichtiger Bereich betrifft die Regulierung, wo die Unternehmen sicherstellen wollen, dass es gleiche Produktnormen [und Regelungen gibt], um so leichten und freien Handel zwischen Großbritannien und der EU gewährleisten zu können.”

Der endgültige Abschied aus der EU ist noch in weiter Ferne. Doch mit den näher rückenden formalen Verhandlungen steigt der Druck auf die Regierung, das bestmögliche Abkommen für die Unternehmen Großbritanniens auszuhandeln.

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