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Jeff Sessions und seine Treffen mit Russlands Botschafter - was sagen russische Medien?

In Russland sorgt der derzeitige Wirbel um den amerikanischen Justizminister Jeff Sessions – von offizieller Seite jedenfalls – für Unverständnis.

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Jeff Sessions und seine Treffen mit Russlands Botschafter - was sagen russische Medien?

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In Russland sorgt der derzeitige Wirbel um den amerikanischen Justizminister Jeff Sessions – von offizieller Seite jedenfalls – für Unverständnis.

Die Zeitung “The Washington Post” hatte aufgedeckt, dass Sessions letztes Jahr zweimal mit dem russischen Botschafter in den USA gesprochen hatte – trotz gegenteiliger Angaben bei der Anhörung im Senat, bei der es um
seine Nominierung ging.

Damals war Sessions selbst noch Senator, aber auch schon eifriger Unterstützer und enger Berater des Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums hatte dazu gestern in der Sache nichts zu sagen, kritisierte aber westliche – und vor allem amerikanische – Medien. Dabei prägte sie sogar den Begriff “Medienvandalismus”.

Allerdings wusste sie da noch nicht, dass das amerikanische Justizministerium die Botschaftertreffen bestätigen sollte. Für amerikanische Ermittler steht fest, dass Russland nach Kräften versucht hat, den Präsidentschaftswahlkampf zu beeinflussen: Daher finden diese Treffen nun so eine große Beachtung.

Sessions rechtfertigte sich für seine Falschaussage – unter Eid – und teilte mit, so wie er die Fragen der Senatoren damals verstanden habe, habe er ehrlich und korrekt geantwortet. Er sehe aber ein, dass manche das anders aufgefasst hätten: Eine Falschaussage habe er jedoch nicht beabsichtigt.

Unter den russischen Medien hat nun zum Beispiel die “Komsomolskaja Prawda” mit einem Politikforscher gesprochen, der Trump nahelegt, für Sessions zu kämpfen. Dieser sei ein treuer und verlässlicher Anhänger: Wenn Trump ihn fallenlasse, werde man nach weiteren Verbindungen zu Russland suchen und die neue Regierung als einen Haufen Betrüger darstellen.

Im “Moskowskij Komsomolez” heißt es “Trump wiederholt Nixons Fehler”. Die Zeitung kritisiert, dass – ebenfalls wegen Gesprächen mit dem russischen Botschafter – zuvor Sicherheitsberater Michael Flynn gehen musste: Das sei
ein Riesenfehler Trumps gewesen, der seinen Gegnern damit ein Einfallstor eröffnet habe. So sei es 1973 schon dem damaligen Präsidenten Richard Nixon gegangen, der seinen Vize Spiro Agnew fallenließ, um sich selbst zu retten.

Für die russische Botschaft in den USA werde die Arbeit jetzt schwerer, stellt die Zeitung “Kommersant” fest. Amerikanische Vertreter würden künftig wohl vor russischen Diplomaten flüchten, da jeder Kontakt als Spionageversuch gewertet würde.

Und schließlich stellt aber die “Nesawissimaja Gasjeta”, die “Unabhängige Zeitung”, fest, dass es nun wohl kaum zu besseren Beziehungen zwischen Russland und den USA kommen werde.

Nach der Wahl hätten die russischen Medien in ihrer Trump-Begeisterung geschwelgt, aber heute müsse man feststellen, dass sich keine der damaligen Hoffnungen erfüllt habe: Von der Aufhebung von Sanktionen sei keine Rede mehr, ein Treffen der Präsidenten sei weiterhin offen, die USA forderten von Russland die Rückgabe der Krim,
und das Verteidigungsministerium wolle mit Russland aus einer Position der Stärke verhandeln.