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Schmutziger Krieg: In Mossul wird mit Giftgas und Autobomben gekämpft

In der schwer umkämpften Stadt Mossul im Irak hat es möglicherweise einen Angriff mit Giftgas gegeben.

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Schmutziger Krieg: In Mossul wird mit Giftgas und Autobomben gekämpft

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In der schwer umkämpften Stadt Mossul im Irak hat es möglicherweise einen Angriff mit Giftgas gegeben. Mehrere Menschen wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Genaue Opferzahlen gibt es nicht, betroffen sind aber nach Angaben von Ärzten und Internationalem Roten Kreuz etwa zehn Menschen, darunter einige Kinder. Einige von ihnen wurden in ein Krankenhaus im 90 Kilometer entfernten Erbil gebracht. Die Hauptstadt der kurdischen Gebiete im Nordirak gilt als relativ sicher.

Das Rote Kreuz hatte auf den Einsatz von Giftgas hingewiesen. Regionaldirektor Robert Mardini sagte, man sei zutiefst besorgt über das, was die Kollegen gesehen hätten und verurteile den Einsatz dieser Waffen, unabhängig davon, welche Seite sie eingesetzt habe.

Hunderttausende auf der Flucht

Im Westen Mossuls explodierte am Freitag eine Autobombe. Mehrere Polizisten In diesem Teil der Stadt liefern sich militante Islamisten und irakische Streitkräfte derzeit heftige Kämpfe. Für den sogenannten Islamischen Staat gilt es, die letzte Hochburg im Irak zu verteidigen. Den Osten Mossuls haben die irakischen Regierungstruppen und ihre Verbündeten bereits eingenommen (siehe auch Kasten).

Rund 200.000 Menschen sind seit Beginn der Offensive im Oktober aus Mossul geflohen, berichten die Vereinten Nationen. Vor zwei Wochen begann dann der Angriff auf den Westen der Stadt. Dort sollen sich noch etwa 700.000 Menschen aufhalten, die von islamistischen Gruppierungen unterdrückt und gegängelt werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit vergangener Woche 30.000 Menschen in UN-Auffanglagern angekommen, die Hälfte davon Kinder. Die UN stellen sich auf eine Viertelmillion Flüchtlinge aus der Region Mossul ein.

Geteilte Welt

Nur ein Fluss teilt den Westen Mossuls vom Osten. Der Tigris, wie kaum ein anderer Symbol für die Wiege der Zivilisation im Zweistromland. Doch von Zivilisation war lange nichts zu spüren, seit der sogenannte Islamische Staat 2014 die Kontrolle über die Millionenstadt übernommen hatte.

Während westlich des Tigris weiterhin die Dunkelheit herrscht, zeigen sich im Osten seit der (vorerst) erfolgreichen staatlichen Machtübernahme wieder erste Lichtstrahlen. Die Menschen haben nicht vergessen, was es heißt, zu leben. Die Zivilisation kehrt in kleinen Schritten zurück, auch und vor allem für die Frauen. Ein Schlaglicht.

Sie kann raus auf die Straße gehen, zur Arbeit fahren. Einfach so. Zweieinhalb Jahre lang war Faten Gamal gezwungen, zuhause zu bleiben. Doch heute fühlt sie sich wie neugeboren. "Meine Kolleginnen und ich haben unsere Freiheit wieder", sagt die 33-Jährige. "Unsere Freiheit zu arbeiten, auszugehen, unsere normalen Sachen anzuziehen."

Unter IS-Herrschaft mussten Frauen und junge Mädchen von Kopf bis Fuß einen Ganzkörperschleier tragen - den sogenannten Nikab. Sie durften das Haus nicht ohne männliche Begleitung verlassen und mussten die familiäre Beziehung zu ihrem Aufpasser nachweisen können. Ehepaare etwa wurden an Kontrollposten regelmäßig aufgefordert, ihre Heiratsurkunde zu zeigen.

Die Freude, ihr altes Leben wiedergewonnen zu haben, ist vielen Frauen im befreiten Ostteil der früheren Terroristen-Hochburg deutlich anzumerken. "Ich kann meine Freundinnen jetzt jeden Tag sehen, wir können durch die Straßen laufen und unsere Freiheit genießen", sagt Zahraa Nodeir. Die 20-Jährige trägt ein pinkes Shirt. Sie freue sich, wieder bunte Röcke und auch Hosen anziehen zu können, sagt sie.

Mit der Offensive rückt die Freiheit auch für die Frauen westlich des Tigris näher. Die Gefechte in der ehemaligen Millionenstadt werden voraussichtlich aber noch Wochen bis Monate dauern.

(Sahar Othman und Sarah Lena Grahn, dpa/Euronews)