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Jesiden schlagen Alarm: Wo sind die deutschen Waffen im Irak?

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Jesiden schlagen Alarm: Wo sind die deutschen Waffen im Irak?

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Seit einigen Tagen schlagen Jesiden in Europa Alarm: Im Norden des Irak kämpften kurdische Peschmerga mit deutschen Waffen nicht nur gegen die IS-Dschihadisten – wofür sie die Waffen bekommen haben -, sondern auch gegen Jesiden. Das kurdische Nachrichtenportal ANF News hat Videos und Fotos veröffentlicht, die die Kämpfe zwischen Kurden und Jesiden dokumentieren sollen.
Auf dem Bildmaterial seien auch deutsche Waffen wie G36-Gewehre von Heckler & Koch zu sehen.

Das jesidische Nachrichtenportal Ezidi-Press berichtet u.a. auf Deutsch.


Streit um die deutschen Waffen

Die Zwietracht zwischen Jesiden und Kurden sowie der Streit um die Waffen sind nicht neu.
2014 hatte das deutsche Verteidigungsministerium Gewehre und Panzerabwehrwaffen an die Peschmerga im Norden des Irak geliefert – und die Bundeswehr hatte die kurdischen Kämpfer an diesen Waffen ausgebildet. Damals wurde Kritik laut, diese Waffen könnten in falsche Hände geraten.
Schon seit Jahren fordern die Jesiden Waffen für ihre eigenen militärischen Einheiten – nicht nur von Deutschland, wohin Zehntausende Jesiden geflohen sind, sondern auch von der Regierung in Bagdad.

“Auch die Kurden sind gegen die Jesiden,” sagte 2014 eine junge Jesidin gegenüber euronews. “Die Jesiden sind schon immer verfolgt worden, sie sind bei den irakischen Kurden nicht sicher. Auch muslimische Kurden gehören zu den IS-Dschihadisten.” Von den Peschmerga, den Kämpfern der autonomen Kurdenregion, fühlen sich viele Jesiden im Stich gelassen.

Der Islamwissenschaftler Patrick Franke meint, dass bis 2014 etwa 700 junge Kurden zur IS-Miliz übergelaufen seien, das schrieb er in der Süddeutschen Zeitung.

Patrick Franke erklärte, die Wut der Jesiden gegen die Peschmerga beruhe darauf, dass schon bei den ersten Angriffen der IS-Miliz gegen die Dörfer der Jesiden im Sindschar-Gebirge nicht die Peschmerga, sondern nur Einheiten der Kurdenpartei PYD die Bewohner verteidigt haben. Die PYD hat Verbindungen zur in der Türkei verbotenen und vom Westen als Terrororganisation eingestuften Untergrundorganisation PKK und wird deshalb international nicht unterstützt.

Viele Jesidinnen nach Mossul verschleppt

In und um Mossul lebten traditionell Jesiden, doch die IS-Miliz hatte mehrere tausend jesidische Mädchen und Frauen aus den umliegenden Dörfen in die Millionenstadt verschleppt und dort als Sexsklavinnen missbraucht.

Die bekanntesten Vertreterinnen der verfolgten Jesidinnen sind die Sacharow-Preisträgerinnen Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar, die inzwischen in Baden-Württemberg leben.

UN-Ermittler hatten sich dafür ausgesprochen, dass die Verfolgung der Jesiden als Völkermord eingestuft und von der internationalen Justiz geahndet wird.