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"Tannhäuser" auf Französisch, die Pariser Fassung


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"Tannhäuser" auf Französisch, die Pariser Fassung

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Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg gilt als Meisterwerk des romantischen Musikrepertoires. Die Oper thematisiert den Zwiespalt zwischen heiliger und profaner Liebe und die Erlösung durch Liebe, ein Leitthema, das sich in vielen von Wagners späten Werken wiederfindet.

Inspriationsquelle: Baudelaire

Nicht alle wissen, dass es “Tannhäuser” auch in einer französischen Fassung gibt. 1861, als sich Wagner anschickte, Paris zu erobern, stimmte er einem französischen Libretto zu, sowie einer Ballettszene, wie es die französische Tradition damals vorschrieb. Die Aufführung war ein Reinfall. Heute würden viele diesen “Tannhäuser” gerne wieder erleben. Die Oper in Monte Carlo macht diesen Wunsch wahr. Der Regisseur und Intendant der Oper Jean-Louis Grinda hat sich damit auch einen lang gehegten Traum erfüllt.

Jean-Louis Grinda: “Was mich dazu bewegte, Tannhäuser auf Französisch in der Pariser Fassung von 1861 aufzuführen, war ganz einfach: mein Vater. Die französische Sprache sorgt für eine ganz andere Poesie, als die deutsche, enthält eine Sanftheit und Zerbrechlichkeit, die ich nicht auf dieselbe Weise in beiden Sprachen spüre. Diese Poesie faszinierte all jene, die das Werk bei seiner Erstaufführung sahen, unter anderem Baudelaire. Letzterer hat mich bei dieser Inszenierung sehr inspiriert.”

“Tannhäuser” auf Französisch ist für manch einen Wagner-Kenner sicherlich gewöhnungsbedürftig. Für die gelungene Wiederbelebung ist auch die französische Dirigentin Nathalie Stutzmann mit verantwortlich, vielen auch als Sängerin bekannt. Sie akzeptierte Grindas nicht ganz einfaches Projekt mit großer Hingabe und Elan.

Nathalie Stutzmann: “Wir beide haben uns immer wieder bestätigt, dass wir keine Angst haben. Als er mir vorschlug, den Tannhäuser zu dirigieren, sagte ich ohne zu zögern: ‘Ja!’ Das ist mein Stil. Danach habe ich die 11 Kilo schwere Partitur gesehen und mir gesagt: ‘Du bist verrückt!’ Aber was für eine wunderbare Herausforderung!”

Ein Marathon für alle Beteiligten

Auch die Sänger haben sich voller Begeisterung auf das musikalische Wagnis eingelassen. In der Titelrolle glänzt der argentinische Tenor José Cura, Annemarie Kremer singt die Elisabeth, Jean-François Lapointe beeindruckt als Wolfram. Ein wahrer Marathon für alle Beteiligten – und das auf Französisch, s’il vous plaît!

Nathalie Stutzmann: “Ich glaube, dass man mit jedem Werk wächst und eine neue Dimension erreicht.. Wenn man an Werken arbeitet, die eher einem Marathon ähneln, als einem Hundertmeterlauf, ist das richtige Gespür für Zeit für den Dirigenten, der die gesamte Architektur des Stücks aufbaut, sehr wichtig. Man muss wissen, wie man mit dem Tempowechsel, der während der Aufführung einige hundert Mal stattfindet, umgeht. Der Bezug zur Zeit ist ein ganz anderer, ebenso, wie ein Lang- und ein Kurzstreckenläufer nicht dieselbe Beziehung zur Zeit haben, müssen wir eine extrem genaue, bis ins kleinste Detail entwickelte Vorstellung von der Architektur haben. Dabei lernt man enorm viel dazu!”

Hommage an den verfemten Künstler

Die Aufführung ist eine Hommage an Wagner und seine zunächst verkannte Pariser Fassung. Auf gewisse Weise sei der Komponist seinem Helden gar nicht so unähnlich..

Jean-Louis Grinda: “Tannhäuser ist ein Künstler, ein verfemter Künstler, er könnte Mick Jagger sein oder irgendein anderer, kontroverser, umstrittener, aber auch faszinierender Künstler, bei dem man nicht umhin kann, ihn zu lieben und zugleich zu verachten. (Pause). Ich glaube, auch Wagner war von diesem Tannhäuser total gebannt. Denn war er letztlich nicht selbst dieser verfemte, geächtete Künstler?”

Auch wenn die Pariser Uraufführung zunächst nicht von Erfolg gekrönt war, so löste sie doch im Folgenden eine Wagner-Verehrung in Frankreich aus. Auf weitere Aufführungen der Pariser Fassung ist zu hoffen.

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