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Aufstand bei Googles Werbekunden: Sie wollen keine Extremisten finanzieren


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Aufstand bei Googles Werbekunden: Sie wollen keine Extremisten finanzieren

Audi, McDonald’s in Großbritannien, L’Oreal und die britische Regierung haben nach Medienberichten (“Sky News”, City AM”) ihre Werbung auf Google-eigenen Websites gestoppt. Sie wollen nicht, dass ihre Anzeigen neben terroristischen Inhalten erscheinen. Auch Vodafone, Barclays und Sky dächten darüber nach (“The Guardian”). Zuvor hatte der britische Teil der Mediengruppe Havas beschlossen, die Werbung seiner Kunden, darunter O2, die Royal Mail, die BBC und Domino’s, auf Google auszusetzen.



Auslöser war eine Recherche (“Times”), wonach Anzeigen für Hunderte Großunternehmen, Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen neben YouTube-Videos erschienen, die von Sympathisanten terroristischer Gruppen wie “Islamischer Staat” (“IS”) oder der neonazistisch-terroristischen Organisation “Combat 18” erstellt wurden. Eine Anzeige von Mercedes erschien demnach auf einem Pro-“IS”-YouTube-Video, das 115.000 Mal gesehen wurde. YouTube ist seit 2006 eine Tochtergesellschaft von Google.

Man könnte “einen besseren Job machen”, gab Google in einem Blog zu, um sicherzustellen, dass bekannte Marken keine Hass-Inhalte finanzierten.

Der Vorstandschef der weltweit größten Werbeagentur-Holding WPP (ursprünglich “Wire and Plastic Products”), Martin Sorrell, sagte: Google und andere namhafte Medienunternehmen wie Facebook “können sich nicht als Technologiefirmen verkleiden” und müssten ihre Verantwortung ernst nehmen.

PROGRAMMATIC ADVERTISING” – DER ALGORITMUS OHNE POLITISCHE VERANTWORTUNG

Im digitalen Zeitalter wissen viele Marken nicht genau, wo ihre Online-Werbung läuft. Seit der Computerisierung der digitalen Werbung entscheiden weitgehend Maschinen, wo Anzeigen im Internet laufen – unter Fachleuten “Programmatic Advertising” genannt. Dabei ähneln die Parteien Käufern und Verkäufern wie bei eBay-Auktionen, hier gemanagt von der Google-Tochter AdX. Die Plazierung erfolgt nicht direkt auf bestimmten Seiten, sondern nach Kundeneigenschaften und -verhalten wie etwa Alter der “Kundschaft” – ohne Rücksicht auf deren politische Ausrichtung oder Legalität.

AUFSTAND DER WERBEKUNDEN

Im vergangenen Jahr war schon herausgekommen, dass die Werbekunden über große Strecken für Kontakte mit Konsumenten bezahlt hatten, die im Leben nie ein Auto oder eine Jeans kaufen werden: “Bots”, Computerprogramme, die so tun, als wären sie Internetnutzer.


Der US-Riese Procter & Gamble ist mit dem Status Quo im digitalen Marketing unzufrieden. Mit einem 5-Punkte-Programm, das Mess- und Sichtbarkeit von Online-Werbemitteln herstellen soll, will der Konzern auch die Konkurrenz aufstacheln.


Allein der US-Online-Werbemarkt wird (Marktforschung “eMarketer”) auf 77 Milliarden Euro geschätzt (+ 16 Prozent), zu 41 Prozent (“Der Aktionär”) dominiert von Google. In Großbritannien kontrollieren Google und Facebook (“eMarketer”) fast 60 Prozent des digitalen Werbemarkts von immerhin knapp 13 Milliarden Euro.

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