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"Ich denke fast täglich daran" - Ein Jahr seit den Anschlägen in Brüssel


Belgien

"Ich denke fast täglich daran" - Ein Jahr seit den Anschlägen in Brüssel

“Es war sehr chaotisch, wie auf einem Kriegsschauplatz. Ich erinnere mich, dass es Leute gab, die sich sehr still verhielten, während andere von Panik erfasst wurden. In kurzer Zeit geschahen sehr viele Dinge. Ich erinnere mich auch daran, dass meine erste Reaktion war: Wem kann ich helfen?”, berichtet der Belgier Jef Versele, der im vergangenen Jahr einen der beiden Terroranschläge von Brüssel miterleben musste. Versele, der eine Brauerei betreibt, befand sich auf dem Flughafen Zaventem, wo zwei Selbstmordattentäter weitere elf Menschen mit sich in den Tod rissen.

Nur Sekunden vor der Detonation einer der Bomben verließ Jef Versele die Schlange vor dem Abflugschalter, um einen Anruf zu tätigen. Die Person, die vor ihm gestanden hatte, starb, eine weitere wurde schwer verletzt.

“Ich denke fast täglich daran”, gesteht er. “Tag für Tag suchen mich die Ereignisse von damals heim. Sie haben mein Leben verändert. Sie reißen mich nachts aus dem Schlaf. Weil sich ein Jahr seither erfüllt, stehen die Ereignisse erneut im Mittelpunkt der Medien. Ich werde für den Rest meiner Tage damit leben müssen.”

Der 20-jährige Bart Migom wollte seine Freundin in den USA besuchen. Er wurde auf dem Flughafen getötet. Die gentechnische Analyse, die notwendig war, um seinen Tod nachzuweisen, nahm drei Tage in Anspruch.

Seine frühere Freundin Emily Eisenman lebt im Bundesstaat Georgia:
“Wir wollten heiraten und zusammen leben. Wir sprachen über die Zukunft. Wenn ich heute Fotos von ihm und mir betrachte, frage ich mich, wer jene junge Frau war. Ich bin jene nicht mehr, die ich damals war, denn er wurde mir genommen. Ich war wie ein Licht, das plötzlich erlosch. Vergeblich versuche ich die junge Frau von damals zu sein. Jeden Tag fühle ich den Schmerz. Oft kann ich es nicht glauben, dass ein Jahr vergangen ist. Als wäre es schon ein ganzes Leben her, dass Bart und ich nicht mehr zusammen sind.”

“Bei den Terroranschlägen auf dem Flughafen und hier in der Metrostation Maelbeek verloren insgesamt 32 Menschen ihr Leben und mehr als 300 wurden verletzt”, sagt unser Korrespondent Damon Embling. “Viele leiden heute noch unter dem Eindruck der Ereignisse. Und viele kämpfen nach wie vor um ihre Versicherungs- und Entschädigungsansprüche.”

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