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Textilfärbung ohne Abwasser?


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Textilfärbung ohne Abwasser?

Bei der Textilfärbung werden Unmengen von Wasser verbraucht, das mit Farbrückständen und Salzen verschmutzt in öffentlichen Kläranlagen landet. Wie kann man es effizienter, umweltfreundlicher und kostengünstiger reinigen? Ein europäisches Forschungsprojekt sucht nach Alternativen.

Die Fabrik utexbel in Belgien ist auf Textilfärbung spezialisiert. Jedes Jahr werden dort Stoffbahnen in einer Länge von etwa 12.000 Kilometern gefärbt. Laut den Betreibern verbraucht die Fabrik jedes Jahr im Durchschnitt gut 350 Millionen Liter Wasser. Wartungschef Jan Morel: “Wir verwenden rund achtzig Liter Wasser pro Kilogramm Stoff. Das Wasser wird bei der Bleichung genutzt, dann bei der Färbung, und bei der Fixierung der Farbe im Stoff, denn die Farbe ist nicht stabil. Am Ende ist das Wasser natürlich voller Farbrückstände und sehr sauer. Bislang neutralisieren wir zuerst diese Säure, und dann leiten wir unser Brauchwasser in die städtische Kläranlage.”


Klären mit Elektro-Koagulation und Umkehrosmose


Die Aufbereitung dieses farbstoffhaltigen Abwassers ist sehr teuer. Die belgische Firma hat sich deshalb mit Wissenschaftlern des europäischen Forschungsprojekts ECWRTI (ek-wer-ti ausgesprochen) zusammengetan, um nach einer kostengünstigeren, umweltfreundlicheren Lösung zu suchen.



In einer Test-Kläranlage bereiten die Forscher das Wasser in zwei verschiedenen Verfahren auf. Zuerst werden die Farbteilchen durch Elektro-Koagulation herausgetrennt, man nutzt dabei die elektrische Ladung der Teilchen. Im zweiten Schritt folgt die Umkehrosmose, die den Osmose-Prozess, den Konzentrationsausgleich, umkehrt, und die Salze herauswäscht.

Projektingenieur Eric van Sonsbeek: “Am Ende haben wir dieses schöne, farblose Wasser, völlig sauber, nichts drin, auch keine Salze. Das Ausgangsprodukt war die dreckige Brühe mit all den Farbstoffen – und das ist unser Endprodukt.”

Mit genauen Kontrollen wird bei jedem Arbeitsschritt geprüft, ob dieser auch wirklich wirkungsvoll war. Ingenieur Mert Can: “Wir können sagen, dass so gut wie alle chemischen Schadstoffe und Farbrückstände herausgefiltert wurden – rund 93 bis 96 Prozent, die Farbe zu fast hundert Prozent.”


Kostenersparnis durch Wasser-Recycling in der Fabrik


Die Forscher wollen nun die Test-Anlage so ausweiten, dass sie in der Fabrik eingesetzt und dort ein geschlossener Abwasserkreislauf geschaffen werden kann. Die Fabrik könnte so ihr eigenes Abwasser für die nächste Färbung nutzen. Projektkoordinator Andreas ten Cate: “Wenn man eine Technologie hat, mit der man 75 Prozent oder noch mehr Wasser spart, dann ist das schon eine große Erleichterung. Man muss auch nicht mehr das Abwasser ins städtische Klärwerk einleiten, also braucht man sich nicht mehr darum zu kümmern, wie das eigene Abwasser sich mit anderen Abwässern im Klärwerk mischt. Man setzt in den städtischen Anlagen Kapazitäten für anderes frei.”



Die Wissenschaftler hoffen, mit dieser Technologie durch die Kostenersparnis auch die Wettbewerbsfähigkeit der Textilbranche in Europa zu erhöhen.

Mit Unterstützung der Europäischen Kommission

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