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Experte: "Anschläge mit Fahrzeugen werden womöglich zunehmen"


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Experte: "Anschläge mit Fahrzeugen werden womöglich zunehmen"

Der Westminster-Anschlag wirft Fragen über Europas Fähigkeit auf, sich selbst gegen solche Terrorangriffe zu verteidigen. Wir haben mit dem Terrorexperten Jonathan Wood von Control Risks über die Bedrohungen gesprochen.

Nial O’Reilly, euronews
Herr Wood, während wir dies aufzeichnen, gibt es Berichte über einen ähnlichen Anschlagsversuch in Antwerpen. Deuten solche einfachen aber tödlichen Angriffe darauf hin, dass Extremisten inzwischen weniger Möglichkeiten haben, große Bombenanschläge oder Angriffe mit Feuerwaffen zu verüben, wie wir sie in Paris und andernorts gesehen haben?

Jonathan Wood
Das zeigt nicht unbedingt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, solche Anschläge zu verüben. Es scheint aber, dass sie nun verstärkt die Strategie verfolgen, weichere, weniger gut geschützte Ziele anzugreifen, also an öffentlichen und vollen Plätzen, die für alle zugänglich sind, zuzuschlagen. Dafür sind auch wenig ausgefeilte Methoden geeignet. Wir gehen fest davon aus, dass diese spezielle Bedrohung im Laufe dieses Jahres andauern wird, und womöglich werden solche Angriffe mit Fahrzeugen noch zunehmen.

euronews
Sie sprechen von weichen Zielen. Es ist für die Behörden unheimlich schwierig, solche einfach auszuführenden, furchtbaren Attacken zu verhindern. Heißt das, dass die Bürger in großen Städten Europas lernen müssen, mit dieser Furcht zu leben, oder können wir mehr tun?

Jonathan Wood
Es ist wirklich sehr schwierig, sich gegen diese Art von Angriffen im öffentlichen Raum zu schützen oder sie zu verhindern. Es gibt einfach zu viele Orte, die sich als Ziel eignen, als dass man alle verteidigen könnte. Wenn man über Angriffe mit Fahrzeugen an öffentlichen Plätzen nachdenkt und plant, etwa Durchfahrtssperren oder andere Sicherheitsvorkehrungen zu installieren, dann werden sich solche Anschläge einfach an andere Plätze verlagern. Manche Länder und Städte haben allerdings inzwischen Sicherheitsmaßnahmen rund um bestimmte Ereignisse oder an bestimmten Orten aufgestellt, die als besonders anschlagsgefährdet gelten, um die Bedrohung zu verringern. Nach dem Anschlag in Berlin etwa wurden weitere Weihnachts- und Neujahrsverantaltungen in ganz Europa mit Fahrzeugsperren ausgestattet, um genau solche Angriffe zu verhindern.

euronews
Werden die europäischen Behörden besser darin, zusammenzuarbeiten und Geheimdienstinformationen zu teilen, oder muss hier noch viel getan werden?

Jonathan Wood
Wir können sicher annehmen, dass die Rückkehr von Personen aus Westeuropa, die in Syrien oder im Irak gekämpft haben, die begrenzten Mittel weiter belasten wird. Die Behörden werden verschiedene Bedrohungen gewichten müssen, das machte es für die Sicherheitskräfte sehr schwierig, systematisch und umfassend alle potentiellen Ziele gleichzeitig und dauerhaft zu überwachen. Je mehr wir ausgeben, um so sicherer werden wir sein.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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