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EU-Begeisterung der Italiener weicht dem Skeptizismus


Redaktion Brüssel

EU-Begeisterung der Italiener weicht dem Skeptizismus

In Rom feiern die Staats- und Regierungschefs der EU an diesem Wochenende das 60-jährige Bestehen der Römischen Verträge. Sie bilden das Fundament der EU.

Doch viele Italiener stehen der Union heute skeptisch gegenüber, einer jüngsten Umfrage zufolge sind es 53 Prozent. “Die Lage hat sich nicht verbessert sondern verschlechtert”, sagt eine Passantin. “Vor allem seit die Grenzen geöffnet wurden und alle nach Italien kommen, ohne jede Kontrolle. Wir brauchen bessere Regeln in Europa, Freundschaft und Solidarität zwischen den Mitgliedsländern. Italien darf nicht isoliert werden.”

Der Bahnhof Tiburtina ist der zweitwichtigste Roms. Nachdem vor einigen Jahren ein neues Gebäude eröffnet wurde, hoffte man auf einen wirtschaftlichen Aufschwung des Statdtteils. Er blieb aus.

“Italien gewinnt nur wenige öffentliche Ausschreibungen in Europa, oft beteiligen wir uns gar nicht an den Wettbewerben. Mit den finanziellen Mitteln, die damit verbunden sind, könnten wir eine Menge tun. Doch nichts geschieht”, sagt eine Römerin.

In dem Stadtteil leben nicht nur Italiener sondern auch viele Einwanderer. In den 90-er Jahren war die Armut, anders als heute, noch nicht Alltag. Sie sei mit der Gemeinschaftswährung gekommen, meint der Besitzer eines kleinen Cafés, der aus Pakistan stammt: “Es war besser, als wir noch die Lira hatten. Viele Länder waren auf den Euro nicht vorbereitet. An einem Tag trinken die Menschen hier einen Cappucino und am nächsten essen sie ein Croissant, doch so gut wie nie kaufen sie beides zusammen.”

Immer noch sind die Folgen der Finanzkrise von 2008 zu spüren. Zudem haben die Regierungen seither nicht viel getan. Die Angst der Menschen wächst, weil die wirtschaftliche Erholung Italiens auf sich warten lässt.