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Nach Terroranschlag: Britische Innenministerin will sich WhatsApp vorknöpfen


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Nach Terroranschlag: Britische Innenministerin will sich WhatsApp vorknöpfen

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Nach dem Anschlag von London mit fünf Toten und etwa
50 Verletzten ist in Großbritannien eine Debatte über die
Verschlüsselung von Kurznachrichten entbrannt. Anlass sind
Medienberichte, die nahelegen, dass der Attentäter Khalid Masood kurz vor dem Anschlag noch den Kurznachrichtendienst Whatsapp nutzte. Die britische Innenministerin Amber Rudd:

“Wir müssen sicherstellen, dass Organisationen wie WhatsApp und das gilt auch für viele andere, Terroristen keine geheime Plattform stellen, wo sie miteinander kommunizieren können.”

Sicherheitsbehörden müsse der Zugang zu verschlüsselten Nachrichten ermöglicht werden. Sie werde auf eine Reihe von Firmen wie Google, Twitter und Facebook mit Vorschlägen für eine Zusammenarbeit zugehen. Dabei solle es darum gehen, wie diese Anbieter aktiv mehr gegen Extremismus tun könnten.

Amber Rudd:

“Wir sagen nicht, “macht alles auf” wir gehen nicht in die Cloud, nichts von alledem, aber wir wollen, dass sie anerkennen, dass sie eine Verantwortung haben, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten, wenn es um eine terroristische Situation geht.”

Rudd will außerdem dafür sorgen, dass Internetfirmen extremistische Veröffentlichungen wirksamer blockieren – und zwar schon vor der Veröffentlichung. “Die Firmen kennen die Technik und die Hashtags am besten, um zu verhindern, dass dieses Zeug online geht, nicht nur, um es nachträglich zu sperren”, sagte Rudd. “Diese Unternehmen müssen realisieren, dass sie Medienunternehmen sind. Sie sind keine Technikfirmen, sie sind Plattformen”, so Rudd.

Nach Medienberichten (“The Telegraph”) hieß es dazu in der Firma: “Bei End-to-End-Verschlüsselung hat WhatsApp keinen Zugriff auf den Inhalt von Nachrichten. Nur Absender und Empfänger können die Nachrichten auf ihren Geräten lesen.”

VERSCHLÜSSELUNG

Bei dieser sogenannten “end-to-end encryption” wird aus dem Klartext eine langen Reihe von Ziffern, den Schlüssel haben nur Absender und Empfänger. Die Schlüssel sind kurzlebig, sie verschwinden, nachdem die Nachricht entschlüsselt ist, damit sie nicht später freigeschaltet werden kann.

Masood hatte am Mittwoch gezielt Menschen mit einem Wagen auf der Westminster-Brücke niedergefahren, drei Menschen wurden dabei getötet. Anschließend erstach er einen unbewaffneten Polizisten vor dem Parlament, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde. 50 Menschen wurden bei dem Attentat verletzt.

PRÄZEDENZFALL APPLE

Im vergangenen Jahr hatte sich Apple in den USA mit dem FBI – zugleich Kriminalpolizei und Inlandsgeheimdienst – angelegt. Nach dem Anschlag in San Bernadino, bei dem zwei Attentäter 14 Menschen töteten, wollten die Behörden Zugriff auf das iPhone eines Täters haben. Apple wehrte ab, das FBI fordere „eine gefährliche Macht“ und zog vor Gericht. Letztendlich gelang es dem FBI, das iPhone zu entsperren, wahrscheinlich mit Hilfe von bezahlten Hackern.

Sicherheitsexperten warnen vor solchen Polizei-Hintertüren in Apps und Smartphones. Ihr Argument: Wenn es der britischen Polizei erlaubt wird, verschlüsselte Nachrichten zu lesen, wer hindert die Behörden in Ländern mit deutlich schlechterer Menschenrechtslage daran, das Gleiche zu fordern?

“Firmen zu verpflichten, Hintertüren in ihre verschlüsselten Dienste einzubauen, würde die Online-Sicherheit von Millionen normaler Menschen gefährden”, sagte Jim Killock von der Aktivisten-Gruppe Open Rights Group dem Online-Portal mashable. „Wir alle verlassen uns darauf, dass Verschlüsselung unsere Kommunikation, unsere Einkäufe und unser Banking schützt.“

su mit dpa

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