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Mensch oder Roboter: Wer gewinnt den Kampf um die Jobs?


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Mensch oder Roboter: Wer gewinnt den Kampf um die Jobs?

Technologie macht unser Leben einfacher, Automatisierung macht es billiger, Waren zu produzieren – aber das alles wirft auch eine große Frage auf: Werden am Ende Roboter all unsere Arbeit verrichten? Und was wird dann unsere Rolle in der Gesellschaft und in unseren Volkswirtschaften sein?

Seit dem Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert hat sich unsere Art zu arbeiten stetig weiter entwickelt. Von Automatisierung und Massenproduktion zum globalen Handel – und damit mehr Arbeitsplätzen und dem Aufstieg der Mittelschicht. Jetzt stehen wir in der vierten Phase dieser industriellen Revolution und müssen sehen, welchen Schritt wir als nächstes machen.

Sieben von zehn Arbeitnehmern in Europa brauchen digitale Kenntnisse für ihren Job. Doch jeder Dritte hat keine solchen Kenntnisse. Und die Hälfte der geringqualifizierten Beschäftigten nutzt diese auch gar nicht. (Siehe: www.cedefop.europa.eu)

Neun Prozent der Arbeitplätze in der Welt werden laut einer von der OECD in Auftrag gegebenen Studie automatisiert werden, jeder vierte Arbeitsplatz digitalisiert. Die Produktivität wird durch die Automatisierung den Prognosen zufolge zunehmen.

Aber vier von zehn Firmen berichten, dass sie keine qualifizierten Mitarbeiter für ihre Jobs finden. Die Qualifizierungslücke zu schließen, ist vor allem für Europas vier Millionen junge Arbeitslose wichtig und für Teilzeitbeschäftigte, die bei Fortbildungen im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten oft hinten anstehen.

Ohne digitale Kenntnisse verdient man durchschnittlich acht Prozent weniger pro Stunde als mit. Das höchste Risiko, seinen Arbeitsplatz an Roboter und Computer zu verlieren, besteht in Ländern, die im Digitalen bisher noch nicht viel investierten. Ein hohes Risiko gibt es demnach in Estland (23%), Slowenien (21%) und Tschechien (19%), ein geringeres Risiko in Deutschland (6%), den Niederlanden (8%), Italien (8%), Österreich (8%), Dänemark (8%), Malta (5%), Bulgarien (4%) und Luxemburg (3%). (Siehe: www.cedefop.europa.eu)



In Deutschland erfindet man gerade die Zukunft mit dem Programm Arbeiten 4.0 neu. Darin geht es um ein breites Spektrum von Themen: Von flexibler Arbeitszeit über gute Jobs bis zum Gemeinwohl.

Damon Embling hat getestet, wie Audi und seine Mitarbeiter sich für die Zukunft fit machen:

Automatisierung, wohin man blickt im Audi-Werk in Ingolstadt. Rund 600.000 Autos werden hier jedes Jahr gebaut. Jedes einzelne von 1.000 verschiedenen Robotern. Und die Technologie macht dort noch nicht Halt: Digitalisierung, Virtual Reality und 3-D-Metalldruck sind die Stichworte. Die 44.000 Mitarbeiter sollen aber am Standort bleiben können, betont Jochen Haberland, Leiter für Personalpolitik: “Es wird sicherlich starke Veränderungen in der Art der Arbeit geben. Aber letztendlich werden wir unsere Mitarbeiter so wie heute auch in Zukunft alle benötigen. Die Arbeitsplätze sind schon sehr stark digitalisiert, insbesondere natürlich in den Bürobereichen. Wir haben mobiles Arbeiten bereits umgesetzt. Wir sind dabei, die flexible Arbeit in Schichten einzuführen innerhalb eines Pilotprojektes.”

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Die autonomen, rollenden Plattformen des Start-ups Arculus dürften die Fabrikwelt weiter verändern: Sie bringen die Komponenten zu den Montageplätzen, an denen sie gebraucht werden – die herkömmliche Fließbandreihe wird durchbrochen. Audi ist Pilot-Partner. Arculus-Chef Fabian Rusitschka: “Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Einkaufszentrum mit fünfzig Läden. Die übliche Fertigung bringt Sie durch alle Läden, während unser System Sie nur dorthin bringt, wo Sie auch wirklich etwas brauchen. Sie sind also viel schneller durch!”

Neben all dem technischen Wandel befasst sich das Konzept “Arbeit 4.0” des Bundesarbeitsministeriums mit neuen sozialen Bedingungen – nicht nur in der Industrie. Mehr Work-Life-Balance, mehr Flexibilität. Manch Wirtschaftsexperte erwartet einen revolutionären gesellschaftlichen Wandel, wenn auch nicht von hier auf gleich. Wirtschaftsberater Patrick Heitmeyer: “Ich glaube nicht, dass jeder schon bereit ist, es ist ein langsamer Prozess. Aber so, wie die Technologie voranschreitet und das Bewusstsein kommt, wird es wohl einen schnellen Übergang geben. Das wird ein Impulsgeber sein.”

Zeit- und ortsflexibles Arbeiten, neue Möglichkeiten, Familie, Freizeit und Beruf zu vereinen, mehr Selbstbestimmung: Die Diskussion ist in Deutschland angestoßen. Die Lösungen müssen nun alle Beteiligten finden.

Maithreyi Seetharaman, euronews:
“Bei jeder Revolution gibt es Gewinner und Verlierer und natürlich werden repetitive, mittelmäßig qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen. Aber für etliche Menschen kann es auch eine Chance sein, sich weiter zu qualifizieren für einen besseren Job. Marianne Thyssen, EU-Kommissarin für Beschäftigung und Soziales, kümmert sich um diese Fragen. Welche Sektoren werden am meisten von dem Wandel betroffen sein, und wie sieht es für ältere Arbeitnehmer aus?”

Marianne Thyssen:
“In Europa sind jetzt 232 Millionen Menschen erwerbstätig. So viele hatten wir noch nie. Unter den Jobs der Zukunft, oder sagen wir den Jobs von heute und morgen, werden neunzig Prozent ein gewisses Maß an digitalen Kenntnissen erfordern. Während wir aber feststellen müssen, dass mehr als vierzig Prozent der europäischen Erwerbsbevölkerung keine ausreichenden digitalen Kenntnisse haben. Da bleibt uns also viel zu tun. Wir fordern von den Menschen, länger am Arbeitsmarkt zu bleiben, also müssen wir ihnen das auch ermöglichen! Zuerst müssen wir abschätzen, welche Fähigkeiten sie haben, zweitens, welcher Weg für sie individuell der richtige ist, um sich weiterzubilden, und dann auch ermöglichen, dass sie ihre neuen Fertigkeiten belegen können. Aber das ist auch möglich für Leute meines Alters!”

euronews:
“Roboter, künstliche Intelligenz – da mehren sich die Ängste, dass die wirtschaftliche Ungleichheit noch zunimmt. Wie kann man das verhindern?”

Marianne Thyssen:
“Wir müssen sicherstellen, dass die Erwerbstätigen gute Arbeitsbedingungen haben – auch im neuen digitalen Zeitalter. Menschen, die für Plattformen arbeiten: Sind sie Angestellte? Selbständige? Wer schützt sie? Das ist nicht klar! Wir müssen auch sicherstellen, dass jeder im Sozialsystem versichert ist, damit alle in ein System einzahlen, aber auch bestimmte Vorteile beanspruchen können.”

euronews:
“Wer steht in der Pflicht bei der Vorbereitung auf die Zukunft? Wir als Individuen, Regierungen, Politiker, Arbeitgeber?”

Marianne Thyssen:
“Die Verantwortung haben alle! Wir müssen uns anpassen und auch unsere eigene Verantwortung übernehmen. Aber diejenigen, die politisch die Verantwortung haben, müssen das Umfeld schaffen, das dies ermöglicht.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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