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Wer ist Carlos, der Schakal?


Frankreich

Wer ist Carlos, der Schakal?

Ilich Ramírez Sánchez, alias Carlos, der Schakal. In den 70er und 80er Jahren war er einer der meistgesuchten Männer der Welt.
62 Jahre ist er alt, als er 2011 in Frankreich zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Diesmal geht es um seine Mittäterschaft bei vier tödlichen Anschlägen Anfang der 80er Jahre.
 
Wie das Attentat auf der rue Marbeuf in Paris 1982. Die Explosion einer Autobombe vor dem Sitz der Zeitung Watan al-Arabi tötete eine Person, 63 Menschen wurden verletzt. Nur einen Monat vorher hatte eine Bombe im Zug von Paris nach Toulouse 77 Menschen verletzt und fünf weitere getötet.
 
Am 31. Dezember 1983 ist Frankreich Schauplatz eines Doppelattentates: Wieder trifft es einen Zug, diesmal den TGV von Marseille nach Paris. Eine zweite Bombe geht im Saint Charles-Bahnhof von Marseille hoch. 5 Menschen starben, 50 weitere wurden verletzt.
 
Verbrechen, für die Carlos nie die Verantwortung übernommen hat. Nach Meinung des Biographen John Follain ist Carlos, der Schakal, eine Art Osama bin Laden der 70er und 80er Jahre. “Er repräsentiert eine vergangene Ära des internationalen Terrorismus. Hauptmotive waren damals Marximus und Sache des palästinensischen Volkes,” erklärt Follain. “Mittlerweile hat sich der Terrorismus so weiterentwickelt, dass Carlos nur noch eine Einzelstimme ist, er verkörpert Terror auf ziemlich altmodische Art.”

1949 wurde Ilich Ramírez Sanchez in Caracas in Venezuela geboren. 1973 nimmt er den Kampfnamen Carlos an, als er der Volksfront zur Befreiung Palästinas beitritt.

1975 erfolgen zwei Raketenanschläge auf den Flughafen von Orly im Abstand von nur einer Woche. Beide Male sind Flugzeuge der israelischen Airline El Al das Ziel. Die Anschläge gehen schief, aber sie werden Carlos zugeschrieben.
 
Seine folgenreichste Tat war der spektakuläre Überfall auf den OPEC-Hauptsitz in Wien im Dezember 1975. Als “Arm der arabischen Revolution” entführen Carlos und fünf Komplizen Dutzende Menschen, unter ihnen auch elf Erdölminister.

Nach mehrtägigen Verhandlungen werden 50 Geiseln freigelassen. Das Kommando fliegt nach Algerien, wo auch die Minister freikommen. Im Gegenzug bekommt Carlos politisches Asyl.
 
Doch es ist in Frankreich, wo sich Carlos vor Gericht behaupten muss. Nachdem er im August 1994 im sudanesischen Khartum festgenommen wird, wird er drei Jahre später erstmals zu lebenslanger Haft verurteilt für den Mord an zwei Polizisten in Paris.