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Selfies als Kunst?


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Selfies als Kunst?

Kann ein Selfie Kunst sein? Die Ausstellung “From Selfie to Self-Expression” – vom Selfie zur Selbstdarstellung – in der Londoner Saatchi-Galerie vereint Selbstporträts aus fünf Jahrhunderten, von Rembrandt, van Gogh und Picasso bis zum Selfie.

Heute muss man kein großer Maler oder Fotograf sein, um sich für die Nachwelt festzuhalten. Saatchi-Kurator Nigel Hurst: “Über Jahrhunderte haben wir Selbstbildnisse für andere gemacht, inzwischen tun wir das massenhaft. Wir haben die Technik, jeder hat ein Smartphone dabei. Und wir dokumentieren nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen um uns herum, die Welt, was wir für bemerkenswert halten, was wir schön finden – mehr wie eine Erfahrung, die wir gemacht haben. Vielleicht sind wir gerade an einem Wendepunkt, und können gleichzeitig nach innen und außen blicken.”



Und jede/r konnte mitmachen: Die Galerie lobte zuvor einen Selfie-Wettbewerb aus, 14.000 Einsendungen gab es, die britische Künstlerin Dawn Wolley gewann.



Der chinesische Smartphone-Konzern Huawei ist Partner bei der Ausstellung. Die Industrie passt sich immer mehr dieser Nutzungsform an, betont Huawei-Marketingleiter Andrew Garrity: “Welche Rolle spielt Fotografie und mobile Fotografie bei der Selbstdarstellung, was bedeutet Selbstdarstellung überhaupt? Es geht nicht nur um Fotografie, sondern wir versuchen wirklich, die Technik weiterzuentwickeln, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, sich selbst auszudrücken, auf neue und interessante Weise, mehr als nur ein Schnappschuss, es ist eine durchdachtere Aktion als das, was wir früher hatten.”



Der in Jerusalem geborene und in New York lebende Künstler Daniel Rozin macht interaktive digitale Kunst, die auf den Betrachter reagiert. In London lässt er einen zwischen einem Selfie auf mechanische oder digitale Art wählen. Bei der mechanischen Variante kann man sich durch 1.000 motorgetriebene Pompons als schwarze Silhouette abbilden lassen.



“Ich finde es wichtig, dass Sie, wenn Sie vor einem meiner Werke stehen, nicht unbedingt ein präzises Bild von sich sehen, Sie sehen nicht Ihre Makel und ihre Falten, es ist ein bisschen idealisiert”, erklärt Rozin.

Juan Pablo Echeverri aus Bogotà begann in den neunziger Jahren mit täglichen Selbstporträts in einem Fotoautomaten – von Selfies war damals noch keine Rede. Auf diese Weise gibt er seiner Sicht auf die Welt Ausdruck: “Wenn man vor fünf bis acht Jahren jemandem sagte, dass man an Selbstporträts arbeitet, dann hätte er das oft nicht verstanden und nachgefragt. Heute, acht Jahre später, ist die Antwort – ach, Selfies! Ich finde diese Ausstellung deswegen cool – sie fügt beides zusammen und fragt, was ist ein Selbstporträt und was ist ein Selfie?”



Welches kreative Potenzial in Selfies stecken kann, zeigt die Saatchi-Galerie noch bis Ende Mai.

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