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Weniger Schutt und Rohstoffbedarf: Abfallrecycling im Bau


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Weniger Schutt und Rohstoffbedarf: Abfallrecycling im Bau

Zwei Tonnen Müll pro Einwohner – das ist die Menge, die der Bausektor in Europa jährlich an Abfall hervorbringt. Wie lässt sich der Schutt besser wiederverwerten, um die Abfallmenge zu verringern, Rohstoffe einzusparen und damit die Umwelt zu schonen?

Recycling in der Bau- und Abbruchwirtschaft

  • Der Bau- und Abrisssektor in Europa verursacht jährlich mehr als zwei Tonnen Schutt pro Kopf. Tendenz steigend.
  • Das neue Protokoll der EU-Kommission zum Management der Bau- und Abbruchabfälle gibt unverbindliche Richtlinien zur Wiederverwertung dieser Abfälle vor und zeigt erfolgreiche Praktiken auf.
  • In Slowenien hatte das “Rebirth”-Projekt, eine breit angelegte Aufklärungskampagne, zum Ziel, die Wiederverwertung alten Baumaterials zu steigern und so auch Rohstoffe einzusparen.
  • “Rebirth” ist eines von mehr als 4.000 Umwelt- und Klimaschutzprogrammen, die bislang vom LIFE-Programm der Europäischen Union finanziell unterstützt werden.
  • LIFE feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Eine neue Ausschreibungsrunde für Projektfinanzierungen läuft von Ende April bis September 2017.

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Maribor in Slowenien hat Lösungen gesucht und das von der EU unterstützte Rebirth-Projekt von 2012 bis 2014 durchgeführt, eine Aufklärungskampagne, damit mehr Schutt wiederverwertet wird.

Alenka Mauko Pranjic hat das Projekt geleitet: “Wir wissen inzwischen, dass man im Hoch- und Tiefbau einen großen Teil des Schutts recyceln kann. Das ist umso wichtiger, als wir bis zum Jahr 2020 eine Recycling-Quote von 70 Prozent der Abfälle aus Bau und Abriss erreichen müssen.”

Dieses Ziel – 70 Prozent Recycling bei Bau- und Abbruchabfällen bis 2020 – wird von der EU-Abfallrichtlinie vorgegeben.


Neue Geschäftsfelder


Auf einer Großbaustelle im Südosten Maribors wird unter anderem eine Brücke abgerissen. Beton und Stahl werden hier komplett wiederverwendet, wie Ingenieur Mitja Strajnar erklärt: “Der Beton wird als Untergrund für den Straßenbelag wiederverwendet, das Metall wird wieder eingeschmolzen und zu neuen Produkten gemacht.”

Welche Schuttanteile können effektiv recycelt werden? Und was auch sehr wichtig ist: Wie können sie möglichst nahe an der Baustelle recycelt werden? Und was kostet das Ganze? Auf diese Fragen hat das Rebirth-Projekt hunderten slowenischen Unternehmern mit Konferenzen und Demonstration am Objekt eine Antwort gegeben.

Unternehmensberater Mirko Šprinzer, auf Recycling im Bausektor spezialisiert, hat die Schulung mit organisiert: “Mit dem Wissen, das wir heute haben, ändert sich auch unser Denken. Wir erkennen dadurch auch neue Geschäftsmöglichkeiten. Wir konzentrieren uns nun darauf, wie wir die Abfälle verschiedener Sektoren kombinieren können – aus dem Bau, der Industrie, dem öffentlichen Dienst und der Wasserwirtschaft.”


Weniger illegale Schutthalden


Ein guter Nebeneffekt für die Umwelt: Die Menge der illegalen Schuttabladungen geht in Slowenien zurück. Und, so die Bilanz von Alenka Mauko Pranjic: “Wir haben eine zehn Prozent höhere Recycling-Quote im Bau- und Abrisssektor und gleichzeitig 1,5 Prozent Ersparnis bei den natürlichen Rohstoffen. Es tun sich neue Geschäftsfelder auf, und es ist gut für die Umwelt.”“

Das Projekt wurde vom LIFE-Programm kofinanziert, mit dem die EU Umwelt- und Klimaprojekte unterstützt. Ende April startet die nächste Ausschreibung für Finanzierungen. Unverbindliche Leitlinien und Tipps gibt auch das Protokoll der EU-Kommission für Bau- und Abbruchabfälle.

Hinderlich ist bislang, dass viele Bauunternehmer der Qualität des recycelten Materials nicht trauen und potenzielle Gesundheitsrisiken für ihre Arbeiter fürchten.

Mehr zum Protokoll auf deutsch hier

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