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Philippinen: mehr als 20 Tropenstürme jedes Jahr


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Philippinen: mehr als 20 Tropenstürme jedes Jahr

Die Philippinen werden jährlich von mehr als 20 Zyklonen heimgesucht. Deshalb zählen sie zu den für Naturkatastrophen anfälligsten Ländern.

2013 tötete Haiyan mehr als 6.200 Menschen. Es war einer der tödlichsten und verheerendsten tropischen Wirbelstürme in der Geschichte der Philippinen.

Zwischen 14 und 16 Millionen Menschen waren betroffen, allein vier Millionen von ihnen wurden vertrieben.

Es ist acht Uhr morgens. In Barangay Tagkip ist es Zeit, sich für die Evakuierung bereit zu machen. Diese Alarmglocke bedeutet: Ein Zyklon ist im Anmarsch, die Bewohner sollen fliehen.

Dieses Mal ist es kein echter Notfall, aber diese Übung ist wichtig, damit die Anwohner verstehen, mit welcher Gefahr sie leben und was sie im Falle einer Katastrophe machen müssen.

Jaquelyn rafft Dokumente, Kleidung und Essen zusammen, bevor sie zum Evakuierungszentrum läuft.

Wegen Haiyan wurde ihr Mann arbeitslos. Er arbeitete auf einer Kokos-Plantage, die fast vollständig vom Tropensturm zerstört wurde.

Durch die Notfallübung kommen einige bittere Erinnerungen hoch: “Es gab starken Wind, der den Kindern Angst machte,” sagt Jaquelyn.

Als Haiyan die Philippinen erreichte, brachten sich viele Menschen gar nicht erst in Sicherheit. Sie unterschätzten den Tropensturm oder wussten nicht, was zu tun war.

Aid Zone - Philippines

Der Einwohner Dante Berino meint, “selbst wenn die Sonne scheint, werden wir von nun an jede Warnung ernst nehmen. Wenn der erste Alarm ausgelöst wird, werden wir sofort die Taschen packen. Denn dazu haben wir später keine Zeit mehr.”

Das Warnsystem lässt den Anwohnern genug Zeit, sich in Ruhe vorzubereiten: teilweise bis zu einem Tag. Die NGO Accord übte den Ernstfall mit ihnen, sodass die Menschen nun wissen, wohin sie fliehen müssen.

Accord-Leiterin Sindhy Obias erklärt, “es gibt sechs Dörfer mit jeweils etwa 400 Menschen, die an der Notfall-Übung teilnehmen, die wir organisieren. Die Verantwortlichen der Dörfer legen die Regeln fest, wenn es um das Frühwarnsystem und die Vorbereitung der Evakuierungszentren geht.”

2010 haben die “Philippinen”:
http://ec.europa.eu/echo/files/aid/countries/factsheets/philippines_en.pdfTWEETS ein nationales Katastrophenschutz-Gesetz angenommen. Beobachter denken jedoch, das es von der Regierung nicht zufriedenstellend umgesetzt wurde.

Pierre Prakash vor der EU-Behörde für humanitäre Hilfe meint, Haiyan sei als eine Art Warnung zu verstehen. Die Dörfer bereiteten sich seitdem besser auf den Ernstfall vor. Sie seien besser organisiert. “Man muss zwei Punkte beachten: die Mobilisierung der Dorfbewohner mit regelmäßigen Übungen. Darüber hinaus braucht man eine Struktur auf nationaler Ebene. Man beginnt auf der Dorfebene und arbeitet sich nach oben durch, gleichzeitig beginnt man auf der Regierungsebene und arbeitet sich nach unten durch, damit sichergestellt ist, dass die Verbingungen zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen funktionieren: zwischen Dörfern, Bezirken, Provinzen und der Regierung auf nationaler Ebene. Das philippinische Modell hat eine Art Vorbildfunktion,” meint Prakash.

Der Katastrophenschutz beginnt beim Wiederaufbau. Haiyan zerstörte über eine Million Häuser. Für den Wiederaufbau bedurfte es Hilfe aus aller Welt. Die EU finanzierte über 20.000 neue Häuser. Wir besuchen das kleine Dorf Bayabas, das seit Haiyan auf eine neue Bautechnik setzt. Das Dorf wurde von Haiyan fast vollständig zerstört und dann im folgenden Jahr wiederaufgebaut. Die Häuser, die Sie sehen, ähneln normalen Dorfhäusern, doch sie wurden nach einfachen, aber höchst wirksamen Regeln errichtet. Dadurch sind sie besser gegen Tropenstürme gewappnet.

Ein neues Gebäude befindet sich im Bau. Schreinermeister Bernardo Operio ist Teil einer Gruppe von 35 Arbeitern, die – finanziert durch die EU – an einer Ausbildung der NGO Accord teilnahmen. Seit 2014 teilt Bernardo sein Wissen mit Kollegen und Anwohnern. “Früher haben wir beim Einsetzen der Pfeiler keine Anker verwendet. Deshalb konnten die Tropenstürme unsere Häuse leicht zerstören. Durch die Anker sind die Häuser stabiler, sie schwanken nicht, selbst wenn der Wind aus unterschiedlichen Richtungen weht,” erklärt Operio.

Außerdem verwenden die Bauarbeiter ein härteres Holz für die Anker, zu dem weicheres Kokos-Holz hinzugefügt wird.
Auf diese Weise errichtete Häuser trotzten 2014 dem Tropensturm Hagupit. Inday war dabei, sie wartete in ihrem neuen zu Hause ab. Sie sagt, “es gibt einen Unterschied zwischen davor und danach. Früher wurden Häuser aus Bambus und Blättern gebaut. Früher hatten sie keine Metall-Riemen, die Pfeiler und Dach zusammenhielten und das Haus so sicherer machten.”

Trotz des Fortschritts gibt es weiter schwarze Schafe, die sich nicht an die neuen Bauregeln halten. An der Küste werden erneut Einsturz gefährdete Häuser errichtet, direkt neben den Ruinen von Haiyan.