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Populistische Schwedendemokraten im Aufwärtstrend

Islamfeindliche Spannungen in Schweden nehmen zu.

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Populistische Schwedendemokraten im Aufwärtstrend

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Es war lange der Vorbildstaat für Toleranz und Weltoffenheit. Seit dem Terroranschlag vom Freitag wird Schweden vor eine harte Probe gestellt. Islamfeindliche Spannungen und Hassverbrechen nehmen seitdem zu.

Schweden gilt auch als eines der großzügigsten Länder Europas, wenn es um Asylaufnahmen geht.

Seit den 1990er Jahren hat das Land 700.000 Antragsteller aufgenommen.
2015 ließ es allein 163.000 Menschen ins Land – bei einer Einwohnerzahl von nur 10 Millionen.

Die Politik der Öffnung wird auf den Straßen in Rinkeby sichtbar, einem Viertel mit hohem Immigrantenanteil im Großraum Stockholms. Dort kam es schon zu einigen Ausschreitungen, aber derzeit wächst die Besorgnis angesichts des angespannten politischen Klimas, wie der sozialdemokratische Politiker Mohamed Nuur meint:
“Es waren keine zwei Tage vergangen, als schon erste manipulierte Fotos kursierten, auf denen eine junge Muslimin an den Tatort verlegt wurde. Daran können Sie erkennen, dass Nazis und andere Menschen, die ihre Hassideologien verbreiten wollen, schon in den Startlöchern stehen.”

Fremdenfeindlichkeit bleibt ein Tabu in Schweden, aber es werden einige Risse sichtbar, meint Sjad Khalaf, ein 25-jähriger Iraker. “Die Schwedendemokraten haben großen Zulauf. Sie meinen, ein Anschlag sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Dadurch werden sie jetzt wohl noch mehr Anhänger bekommen. Eine Katastrophe,” findet Khalaf.

Die Unterstützung für die Anti-Einwanderungspartei Schweden-Demokraten steigt tatsächlich an. Umfragen sehen sie an zweiter Stelle hinter der Sozialdemokratischen Partei des Ministerpräsidenten Stefan Lofven. Im Januar forderten einige Demonstranten seinen Rücktritt.

Während der Ehrenzeremonie für die vier Opfer des Terroranschlags lobte Lofven die Entschlossenheit der demokratischen Gesellschaft, um vereint den Anschlag hinter sich zu lassen.

Angesichts der Flüchtlingswelle von 2015 hat das nordeuropäische Land seine Asylpolitik bereits verschärft. Die finanzielle Unterstützung wurde reduziert und Grenzkontrollen wurden verstärkt.