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Tuchel und "das Gefühl der Machtlosigkeit"


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Tuchel und "das Gefühl der Machtlosigkeit"

Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel und mehrere BVB-Profis haben die rasche Neuansetzung der Champions League-Partie gegen AS Monaco nach dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus kritisiert. Das Viertelfinal-Hinspiel war am Dienstagabend abgesagt und vom europäischen Fußballverband UEFA umgehend für Mittwochabend neu angesetzt worden. Unter dem Eindruck der schockierenden Ereignisse verloren die Dortmunder das Heimspiel gegen die Franzosen mit 2:3. Im Anschluss an die Niederlage sagte Tuchel:

_“Wir hatten das Gefühl, als wäre eine Bierdose gegen den Bus geflogen. Schon eine halbe Stunde später wurde entschieden, dass die Partie für Mittwoch 18:45 Uhr neu angesetzt ist. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch wir informiert. Es war zunächst sehr unklar, wie schwerwiegend die Verletzung von Marc Batra ist, und was hinter dem Vorfall steckt. Das gibt einem das Gefühl von Machtlosigkeit.”

Tuchel will seiner Mannschaft jetzt erlauben, sich Zeit zu nehmen, und darüber nachzudenken, ob es nach dem Terrorakt Sinn macht, Fußball zu spielen. Dazu wird den Profis psychologische Hilfe angeboten. Die UEFA wies Kritik an der Neuansetzung des Spiels bereits am Mittwoch zurück. Diese sei nach Absprachen zwischen allen Beteiligten erfolgt.

Die Erignisse in Dortmund vereinten die konkurrierenden Fans

Die Polizei ermittelte zunächst zwei Verdächtige aus dem islamistischen Spektrum in Nordrhein-Westfalen. Einer von ihnen wurde festgenommen, die Beweislage scheint allerdings dünn. Haftbefehle stehen noch aus. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag scharf:

“Wir sind uns einig, dass es sich hierbei um eine widerwärtige Tat handelt. Die Bundesanwaltschaft und alle Ermittlungsbehörden tun alles Mögliche, um dieses Verbrechen so schnell wie möglich aufzuklären.”

Ermittelt wird in alle Richtungen. Die Behörden schließen nicht aus, dass gewaltbereite Fußballfans, Rechtsextreme oder Erpresser für die Zündung der Sprengsätze verantwortlich sein könnten. Im Fokus steht die Analyse von drei gleichlautenden Bekennerschreiben, die am Tatort gefunden wurden. Sicherheitskreise sprachen von einem für Islamisten eher untypisches Vorgehen in Bezug auf die Schreiben. So fehlten etwa Symbole der Miliz Islamischer Staat wie die typische Fahne der Dschihadisten.