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Guineas Präsident Alpha Condé: Afrika soll über seine eigene Zukunft entscheiden


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Guineas Präsident Alpha Condé: Afrika soll über seine eigene Zukunft entscheiden

Während eines Besuchs in Paris hat euronews mit dem guineischen Präsidenten Alpha Condé gesprochen. In einem exklusiven Interview redet er über Terrorismus, Immigration, Ernährungsunsicherheit, das frankophone Afrika, sowie die Beziehungen zwischen Afrika und der Europäischen Union.

Seit seiner Wahl im Jahr 2010 hat Alpha Condé poltische Reformen und ein Mehrparteiensystem durchgesetzt. Condé ist seit Januar 2017 auch Präsident der Afrikanischen Union. Er setzt sich für einen Bruch afrikanischer Länder mit ihrer Vergangenheit ein. Seine Amtskollegen fordert er auf, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Nabelschnur zu Frankreich zu trennen. Er macht sich für die Gleichberechtigung zwischen Frankreich und den afrikanischen Staaten stark.


Alpha Condé: Terrorismus gedeiht auf Armut und Ungleichheit


Mohamed Abdel Azim: “Wir leben Zeiten der Globalisierung des Terrors, dem Phänomen des Terrorismus. Was fehlt Afrika, den afrikanischen Staaten, um diese Geißel loszuwerden?

Alpha Condé:“Was grundlegend fehlt ist: Entwicklung. Sie wissen, dass Terrorismus auf Armut und Ungerechtigkeit gedeiht. Das heißt also: wenn Terrorismus sich in Afrika entwickelt, ist das so, weil die Armut dort groß ist. Der erste Kampf ist der um Entwicklung, das wird es uns erlauben, sowohl Terrorismus als auch Emigration zu bekämpfen. In der Zwischenzeit müssen wir das militärisch angehen, aber diese Verteidigung müssen wir [Afrikaner] selbst unternehmen.”

Mohamed Abdel Azim: “Gibt es noch eine Möglichkeit mit der EU zu kooperieren, um eine Art Kontrolle der Süd-Nord-Migration zu gewährleisten?”

Alpha Condé: “Wir erzählen unseren Freunden in der EU, dass wir ihre Sorgen verstehen. Sie wissen auch, dass unsere Kinder auswandern, weil sie hier nicht finden, was sie brauchen. Unsere Freunde in der EU müssen uns begleiten. Wir können eine Fabrik für Europa sein, solange die EU versteht, dass es eine gewinnbringende Kooperation für beide – und eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist.”


Alpha Condé: “Klimawandel und Dürre sind der Grund für Emigration”


Mohamed Abdel Azim: “Spielt die Lebensmittelknappheit bei dieser Emigrationswelle eine Rolle oder ist es etwas anderes?”

Alpha Condé:“Wir haben uns an alle afrikanischen Staaten und die internationale Gemeinschaft gewendet, um unseren Brüdern in diesen Ländern zu helfen. Es ist eine große Herausforderung für uns. Natürlich liegt viel am Klima und der Dürre, es gibt auch Kriege. Das alles wollen wir nicht mehr. Deswegen wollen wir, dass Afrika wächst, dann können wir den Klimaschäden ein Ende bereiten und eine effiziente Landwirtschaft entwickeln, die Grundlage gegen Hungersnöte.”

Mohamed Abdel Azim: “Stichwort Kooperationen: Was werfen Sie der EU vor?”

Alpha Condé: “Es geht nicht darum, der EU Vorwürfe zu machen. Aber unser Ziel heute ist es, dass Afrika auf seine eigene Stärke baut. Wir müssen auf unserer eigene Stärke vertrauen und mit der Welt kooperieren, egal ob mit der EU, China, Indien, Brasilien, etc. Afrikaner müssen damit anfangen, auf sich selbst zu setzen, denn die Entwicklung Afrikas wird nur von den Afrikanern voran gebracht.”

Alpha Condé: Afrika muss auf seine eigene Stärke bauen
Mohamed Abdel Azim: “Können wir aus Ihren Bemerkungen schlussfolgern, dass es einen Mangel an Geschlossenheit in der Afrikanischen Union gibt?”

Alpha Condé: “Ganz im Gegenteil! Heute sprechen wir mit einer Stimme. Wir haben einen Konsens geschlossen, dass wir unsere Einheit stärken müssen. Wir sind uns der Probleme Afrikas bewusst; wir können sie nur zusammen lösen. Es gibt keine Unstimmigkeiten mehr und wir arbeiten mit den Reformen der Afrikanischen Union, um sicherzustellen, dass wir die Mittel bekommen, um unsere Herausforderungen zu meistern. Das war vorher nicht der Fall.”

Mohamed Abdel Azim: “Es wird viel von weiblicher Genitalverstümmelung gesprochen. Welche Maßnahmen können ergriffen werden? Denken Sie, dass es richtig ist, realisierbare Lösungen für dieses Phänomen zu finden?”

Alpha Condé: “Es geht nicht nur um Politik, es geht um Bildung. Denn das sind alt hergebrachte Tradtionen, aber sie gehen gegen die Würde von Frauen. Es ist beispielsweise ein großes Problem in Guinea, und wir liegen da hinter anderen Ländern, aber wir wollen aufholen. Da gibt es die Politik, die Bildung und es gibt Sanktionen. Wir müssen an all diesen Stellschrauben drehen, damit wir dieses Problem lösen, denn es ist eine Demütigung für Frauen.”


Alpha Condé: Wir wollen, dass Frankreich die afrikanischen Staaten als eigenständige, souveräne Länder ansieht


Mohamed Abdel Azim: “Lassen Sie uns noch einmal auf die Beziehung der afrikanischen Länder und Frankreich zurückkommen. Was können wir tun?”

Alpha Condé: “Wir bewegen uns auf eine Kooperation zwischen zwei souveränen Staaten zu, egalitär und von gegenseitigem Nutzen, und wir wollen, dass Frankreich die afrikanischen Staaten als eigenständige, souveräne Länder ansieht. Eine Kooperation zwischen Afrika und Frankreich auf Augenhöhe.

Wir haben einige Elemente mit Frankreich gemeinsam: Die Sprache und die Geschichte, aber das hält uns nicht davon ab, ähnliche Beziehungen wie andere große Länder zu haben. Ich spreche deswegen auch von “der Reife Afrikas”.”

Mohamed Abdel Azim: “Wollen Sie damit sagen, dass es bisher keine gleichrangige Behandlung gab?”

Alpha Condé: “Sie wissen sehr wohl, dass das frankophone Afrika nicht gleichbehandelt wurde, aber das liegt jetzt hinter uns und wir wollen, dass afrikanische Länder von Frankreich wie Brasilien oder ein anderes Land, anerkannt werden, das heißt: eine Kooperation souveräner Staaten.”

Mohamed Abdel Azim: “Erwarten Sie, in den kommenden fünf Jahren weiterhin Präsident von Guinea zu bleiben, um so ihre Politik voranzubringen?”

Alpha Condé: “Was ich Sie frage: Warum stellen wir diese Frage nicht den asiatischen Staatsoberhäuptern oder den europäischen? Warum nur afrikanischen? Warum?”

Mohamed Abdel Azim: “Ich frage Sie, aber ich habe keine Antwort.”

Alpha Condé: “Nein, aber ich frage SIE das. Sie sollten auch Malaysia oder Singapur danach fragen. Frau Merkel, werden Sie noch für eine dritte oder vierte Amtsperiode antreten? Warum fragen wir das ausschließlich Afrikaner?

Mohamed Abdel Azim: “Manchmal stellen wir diese Frage.”


Alpha Condé: Wir möchten eine Kooperation, die Afrika respektiert und eine Entwickung erlaubt


Alpha Condé: “Wir wollen, dass Afrika ernst genommen wird, wir eigenständig sein, über unsere eigene Zukunft entscheiden und nicht gesagt bekommen, was wir machen sollen und eine Regierungsform vorgeschrieben bekommen.”

Mohamed Abdel Azim: “Ich bin damit einverstanden. Das ist eine legitime Frage.”

Alpha Condé: “Nein, ist sie nicht. Im Gegenteil, illegitim, denn wir wollen unsere eigene Sicht der Dinge präsentieren, die im Gegensatz zu ihren Taten steht. Wir wollen sagen: Das haben wir gemacht, um uns zu entwickeln, und nicht: Wie wollt ihr, das wir uns entwickeln?”

Mohamed Abdel Azim: “Sie haben oft von China gesprochen…”

Alpha Condé: “Wir haben versucht, mit China, Europa und anderen Ländern zu kooperieren. Wir möchten eine Kooperation, die beiden Seiten gleichermaßen Vorteile bringt, eine Kooperation, die Afrika respektiert und eine Entwickung erlaubt. Es macht nichts, wenn es morgen Marsmenschen sind, die mit uns kooperieren. Wir müssen mit dieser Vorstellung der chinesischen Bedrohung aufhören. Es ist ein Hirngespinst.

Mohamed Abdel Azim: “Die UNESCO hat Ihre Hauptstadt Conakry zur Buchhauptstadt der Welt gewählt

Alpha Condé: “Das zollt den guineischen und afrikanischen Schriftstellern Tribut. Darauf sind wir sehr stolz und werden alles dafür tun, das Jahr des Buches erfolgreich zu machen.”

Mohamed Abdel Azim: “Wer ist Ihr politisches Vorbild?”

Alpha Condé: “Auf der Ebene von Afrika?”

Mohamed Abdel Azim: “Auf der Ebene von Afrika.”

Alpha Condé: “Ich denke, das ist offensichtlich. Wie für jeden, der sich seiner afrikanischen Wurzeln bewusst ist, kann es nur Mandela sein.

Mohamed Abdel Azim: Herr Präsident, vielen Dank für das Interview.

Alpha Condé: Gern geschehen.

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