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Wahlkampf in Frankreich: Mélenchon holt auf


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Wahlkampf in Frankreich: Mélenchon holt auf

Im französischen Wahlkampf gibt es einen neuen Überraschungskandidaten, Jean-Luc Mélenchon von der neu gegründeten Bewegung “La France insoumise” – das aufständische Frankreich.

Nur neun Tage vor der Wahl hat der radikale Linke laut Umfragen überraschenderweise Boden gut gemacht.

Der Erfolg sei vor allem auf seinen guten Wahlkampf zurückzuführen, meinen politische Beobachter. Auch konnte er in beiden TV-Debatten im Gegensatz zu den etablierten Kandidaten punkten.

Das Rennen um den Einzug in den Elysée-Palast ist in diesem Jahr besonders knapp. Zentrumspolitiker Emmanuel Macron und die rechtsextreme Kandidatin des Front National
Marine Le Pen liegen der jüngsten Ipsos-Umfrage zufolge derzeit bei etwa 22 Prozent. Für Mélenchon wollen demnach 20 Prozent der Befragten stimmen. Der Konservative und durch mehrere Skandale angeschlagene François Fillon erhält laut Umfrage 19 Prozent.

Allerdings haben der Brexit und Donald Trumps Wahlsieg gezeigt, dass Umfragen mit Vorsicht zu genießen sind, die Fehlermarge liegt mindestens bei knapp drei Prozent.

Die jüngste Umfrage ist eine weitere Niederlage für Fillon, den einstigen Favoriten. Sein Wahlkampf wurde durch mehrere Skandale erschüttert, wie die geschenkten maßgeschneiderten Anzüge und die umstrittene Beschäftigung seiner Frau.

In den Umfragen abgestürzt ist auch der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon, der doch die Vorwahlen Ende Januar überraschend gewonnen hatte. Ihm wird offenbar zum Verhängnis, dass die Linke sowie die sozialistische Partei stark zersplittert sind.

Obwohl Le Pen und Macron sich seit Monaten an der Spitze der Umfragen behaupten, wird Macron als klarer Sieger der Präsidentschaftswahlen gehandelt, sollte es zu einer zweiten Runde kommen.

Die restlichen sechs Kandidaten sind zum Teil seit langem im politischen Geschäft, doch niemandem wird eine echte Chance ausgerechnet.

Wie viele Franzosen in der ersten Runde ihre Stimme abgeben werden, ist noch unklar. Weit mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten scheint Umfragen zufolge noch unentschlossen zu sein – weit mehr, als bei der letzten Präsidentschaftswahl.