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Wahl 2017: Frankreich überschattet von Terror


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Wahl 2017: Frankreich überschattet von Terror

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Der 26. Juni 2015 veränderte das Leben von Laurence Cornara grundlegend. Es war der Tag, an dem ihr Ehemann Hervé durch einen Terroranschlag ums Leben kam. Der Geschäftsführer wurde von einem seiner Angestellten in der Nähe von Lyon enthauptet. Der Täter Yassin Salhi stand mit einer salafistischen Bewegung in Verbindung. Makabre Fotos des Tatorts schickte er an Dschihadisten in Syrien.

Die Opfer
Laurence Cornara: “Ich habe den Koran gelesen im Versuch, das Geschehene zu verstehen. Ich will hier nicht verallgemeinern, aber ISIL und all diese Menschen sind einfach nur Monster. Wie kann man sie loswerden? Da gibt es meiner Meinung nach nur eine Lösung.”
Laurence Alexandrowicz, euronews: “Was muss man Ihrer Meinung nach tun?”
Cornara: “Sie alle an die Wand stellen.”

Hervé Cornara ist eins von insgesamt 238 Todesopfern des islamistischen Terrors auf französischem Boden zwischen 2015 und 2016. Noch nie zuvor stand Frankreich dermaßen im Visier des islamistischen Terrors.

Die Angst
Seit den Attentaten sind 7.000 Soldaten der Operation “Sentinelle” im Einsatz. Sondermaßnahmen wurden verabschiedet. Der Ausnahmezustand gilt noch bis Juli. Die Strategie der IS-Dschihadisten zielt auf die Freiheiten der Franzosen ab.

Ein Mann in Lyon beklagt, “es herrscht Angst. Man fürchtet sich vor Attentaten in U-Bahnen, in Bussen, in Menschenmengen oder bei Feierlichkeiten. Das ist ein Sieg, den sie für sich verbuchen können.”
Eine Passantin sagt, “ich habe keine Angst, aber wenn meine Enkel bei mir sind, gehe ich ganz bewusst kein Risiko ein.” “Es macht uns das Leben schwer. Denn sobald Leute ein verdächtiges Paket sehen, geben sie Bescheid. Dann ist die U-Bahn erst mal blockiert,” meint ein anderer.

Nach jedem Attentat heißt es: “Wir haben keine Angst”. Doch die Franzosen müssen lernen, mit dem Risiko eines neuen Anschlags zu leben, egal wo oder wann.

Reaktionen
Der “Anschlag auf das Satiremagazin “Charlie Hebdo” vom Januar 2015”:https://youtu.be/0P5ZrxjQ72I führte auch zu einer noch nie dagewesenen Mobilisierung unter den Franzosen. Unter dem Motto “Je suis Charlie” – ich bin Charlie – versammelten sich am 11. Januar vier Millionen Menschen zu einer historischen Demonstration. Doch “Je suis Charlie” ist nicht von Dauer. Eine gewisse Islamfeindlichkeit in Teilen der französischen Gesellschaft wird salonfähig, sie spaltet die Menschen. Der Soziologe Marwan Mohammed vom Centre national de la recherche scientifique erklärt, “die französische Gesellschaft ist geschwächt. Auch davor gab es keinen richtigen Zusammenhalt. Die Anschläge haben die Kluft weiter verstärkt.”

Auswirkungen
Im Juni gedachten bis zu 5.000 Muslime des ermordeten Polizistenpaares von Magnanville. Gleichzeitig wurden wieder und wieder Vorwürfe gegen die Muslime in Frankreich laut, zu den Vorfällen zu schweigen.

Seit dem Attentat vom Januar hat sich die Zahl der Terroranschläge vervielfacht. Die Regierung sprach Ende 2015 von einer Zunahme von 223% im Vergleich zum Vorjahr. Welche Folgen hat das für die Franzosen?

Der Soziologe Marwan Mohammed vom CNRS:
“Es gibt zwei Hypothesen. Die optimistische lautet: Die Franzosen können trennen zwischen Muslimen einerseits und den gewaltsamen Gruppen andererseits, die im Namen des Islams Anschläge verüben. Dann gibt es die pessimistische Hypothese: Die Menschen werden vermehrt Gesetze oder Politiker unterstützen, die sich gegen die islamische Bevölkerung richten.”

Laut Umfragen wird der rechtsextreme und islamfeindliche Front National die zweite Runde der Präsidentschaftswahl erreichen. Auch wenn der Terrorismus nicht im Zentrum des Wahlkampfes steht, so beeinflusst die Angst vor Terror wohl den Ausgang der Wahlen.

Weitere Auszüge aus dem Interview mit dem Soziologen Marwan Mohammed vom CNRS:

Laurence Alexandrowicz, @_laurencealex, euronews:
“Werden die Terroranschläge Auswirkungen auf das Ergebnis der Wahl haben?”

Marwan Mohammed, Soziologe, CNRS:
“Die Terrorbekämpfung steht nicht im Zentrum des Wahlkampfes. Die Tatsache, dass die Hollande-Regierung ziemlich drastische Sicherheitsmaßnahmen gegen Terror ergriffen hat, wie die Ausrufung des Notstands, dessen Verlängerung, die Einschränkung der Freiheiten, eine Erhöhung der Antiterror-Maßnahmen, die Erwägung des Entzugs der Staatsbürgerschaft… Das alles ist auch eine Möglichkeit, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.”

euronews:
ISIL wollte einen Bürgerkrieg unter den Franzosen anzetteln. Dazu ist es nicht gekommen, haben sie ihr Ziel verfehlt?”

Mohammed:
“Wir können nicht von einer völligen Niederlage derer sprechen, zu denen auch ISIL zählt, die die französische Gesellschaft entzweien wollen. Egal, ob es sich um Terrorbewegungen oder um rechtsextreme Gruppierungen handelt, deren Ziel es ist, einen Teil der Gesellschaft auszuschließen oder loszuwerden.
Was wir stattdessen feststellen ist, dass die Anzahl der Menschen, die gegen ein Zusammenleben mit Muslimen sind, die seit einigen Jahren recht hoch ist, sich durch die Anschläge, die in der vergangenen Zeit in Frankreich verübt wurden, nicht radikal verändert hat.”

Das Interview mit dem Soziologen Marwan Mohammed vom CNRS:

Laurence Alexandrowicz, @_laurencealex, euronews:
“Werden die Terroranschläge Auswirkungen auf das Ergebnis der Wahl haben?”

Marwan Mohammed, Soziologe, CNRS:
“Die Terrorbekämpfung steht nicht im Zentrum des Wahlkampfes. Die Tatsache, dass die Hollande-Regierung ziemlich drastische Sicherheitsmaßnahmen gegen Terror ergriffen hat, wie die Ausrufung des Notstands, dessen Verlängerung, die Einschränkung der Freiheiten, eine Erhöhung der Antiterror-Maßnahmen, die Erwägung des Entzugs der Staatsbürgerschaft… Das alles ist auch eine Möglichkeit, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.”

euronews:
ISIL wollte einen Bürgerkrieg unter den Franzosen anzetteln. Dazu ist es nicht gekommen, haben sie ihr Ziel verfehlt?”

Mohammed:
“Wir können nicht von einer völligen Niederlage derer sprechen, zu denen auch ISIL zählt, die die französische Gesellschaft entzweien wollen. Egal, ob es sich um Terrorbewegungen oder um rechtsextreme Gruppierungen handelt, deren Ziel es ist, einen Teil der Gesellschaft auszuschließen oder loszuwerden.
Was wir stattdessen feststellen ist, dass die Anzahl der Menschen, die gegen ein Zusammenleben mit Muslimen sind, die seit einigen Jahren recht hoch ist, sich durch die Anschläge, die in der vergangenen Zeit in Frankreich verübt wurden, nicht radikal verändert hat.”

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