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Nelson Freire: Musik funktioniert über die Liebe


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Nelson Freire: Musik funktioniert über die Liebe

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Sein Musiklabel nennt ihn “das best gehütete Geheimnis in der Welt des Klaviers”. Der brasilianische Virtuose Nelson Freire gibt eines seiner raren Interviews in Musica.

Ein Wunderkind in der Reife der Jahre: Der brasilianische Virtuose Nelson Freire, 72, beim Oster-Festival in Aix-en-Provence. (In unserem Beitrag spielt er Beethovens Klavierkonzert Nr. 4.)



Mit drei Jahren lernte er Klavierspielen, kurz vor seinem fünften Geburtstag gab er sein erstes öffentliches Konzert. Später studierte er in Wien Klavier und trat mit den großen Orchestern der Welt auf.

Mehr über sein Leben:
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Doch der Star bleibt bescheiden und zurückgezogen, Interviews gibt er nur selten, und nur ungern vor der Kamera.

Seine Liebesgeschichte mit dem Klavier begann mit seiner ersten Lehrerin, Nise Obino – da war er noch ein Kind: “Ich hatte das Glück, auf solch einen Menschen zu treffen …. Denn das funktioniert über die Liebe, diese Dinge, wie alles im Leben. Das liegt vielleicht auch an meinem Sternzeichen, ich bin Waage, und man sagt, das ist das Sternzeichen der Liebe. Ich habe diese erste Lehrerin sehr geliebt, also habe ich alles gemacht, was sie von mir verlangte.”



Klassische Klaviermusik ist sein Favorit – aber nicht die einzige Leidenschaft. Ein offener Geist sei wichtig für die Inspiraton, sagt Freire: “Ich mag sehr den Film noir, die Filme von Hitchcock, Fritz Lang … vor allem das Kino der vierziger und fünfziger Jahre. Das ist meine zweite Leidenschaft – das Kino. Die Musik ist sehr wichtig im Film – die Musik, und auch das Fehlen von Musik. Bei Hitchcock zum Beispiel, da gibt es manchmal Szenen mit ganz viel Suspense, in denen er komplett auf Musik verzichtet. Und gelegentlich kann eine schlechte Musik einen Film auch kaputtmachen, nicht wahr?”

“Und ich mag Jazz. Ich bin fasziniert von Ella Fitzgerald.”

Seine langjährige Freundin und Duo-Partnerin Martha Argerich führte ihn an den Jazz heran. Bei beiden lernten sich in den fünfziger Jahren als Klavierschüler in Wien kennen: “Wir haben uns kennengelernt, als ich fünfzehn war. Wir haben einen Sommer zusammen verbracht, das war schon ein ziemlich spezieller Sommer, wir haben uns viel angehört. Bis zu diesem Alter kannte ich nur Klaviermusik. Dank Martha habe ich viel kennengelernt, vor allem den Jazz.”


Nelson Freire – Martha Argerich from Felipe Lacerda on Vimeo.


Der Gründer und Leiter des Oster-Festivals in Aix-en-Provence, Violonist Renaud Capuçon, ist stolz, Freire für sein Festival gewonnen zu haben: “Was rührend ist bei Nelson, das ist, dass er ständig zweifelt, ständig auf der Suche ist. Er hat Lampenfieber er ist vor dem Konzert nervös. Für mich ist das ein Zeichen für einen großen Künstler. Ein großer Künstler ist jemand, der sich immer in Frage stellt, Gewissheit ist meiner Meinung nach nichts, das essentiell ist in der Musik. Er ist auch menschlich außergewöhnlich, denn er hat diese Sanftheit, die man auch in seinem Spiel wiederfindet, diese Intelligenz. Wissen Sie, es gibt da kein Geheimnis, wenn Künstler eine Karriere auf diesem Niveau während mehr als fünfzig Jahren machen können, dann haben sie wirklich etwas zu sagen, sie gehören nicht zu den Künstlern, die aufkommen und wieder verschwinden. Das ist der Grund, warum sie die großen Meister sind, und wir sind total stolz und glücklich, sie hier zu haben.”

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