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Tote bei Anti-Regierungsdemonstrationen in Venezuela


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Tote bei Anti-Regierungsdemonstrationen in Venezuela

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Bei Demonstrationen gegen die Regierung von Nicolás Maduro ist es in Venezuelas Hauptstadt Caracas zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Im ganzen Land wurden bei Demonstrationen drei Menschen getötet. Es kam zu über 400 Festnahmen. Laut einer Einschätzung eines der Opposition nahestehenden Umfrageinstituts sollen bis zu sechs Millionen Menschen demonstriert haben.
Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Präsident Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise verantwortlich.

Demonstrantin Lillian meint: “Wir leben in einer Diktatur. Es gibt keine Freiheit. Wir wollen Demokratie, Freiheit für die politischen Gefangenen. Außerdem fehlt es uns an Nahrungsmitteln und an Medikamenten.”

Eine junge Frau meint: “Ich will ein besseres Land. Die meisten meiner Familienmitglieder sind schon ausgewandert.”

Ein junger Mann sagt: “Ich habe keine Angst. Die Mehrheit ist gegen die Regierung.”

Und eine junge Mutter erklärt: “Ich habe keine Medikamente für meine Tochter. Das macht mir Angst.”

Maduro hatte als Antwort auf die Proteste angekündigt, dass die 500.000 Mitglieder der Nationalen Miliz mit Gewehren ausgerüstet werden.

Seit 1999 wird das Land von den Sozialisten regiert und ist trotz der großen Ölvorkommen in seine bisher schlimmste Versorgungskrise geschlittert. Die Inflation beträgt mehr als 700 Prozent und ist die
höchste der Welt.

Euronews-Korrespondent Eduardo Salazar Uribe erklärt: “Es wird erwartet, dass die Opposition neue Aktionen bekanntgibt, darunter kann ein Streik sein, wenn es den Schlichtern nicht gelingt, diese Krise zu lösen, die in diesem karaibischen Land herrscht.”

Das Land steht nach 18 Jahren sozialistischer Regierung vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb und wegen der hohen Inflation können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung 2017 um 7,4 Prozent schrumpft. Gewalt und Repression haben stark zugenommen.

Der in Venezuela lebende deutsche Pfarrer Lars Pferdehirt befürchtet einen Bürgerkrieg in dem südamerikanischen Land. “Die Situation ist sehr angespannt und man weiß wirklich nicht, wie es sich entwickeln wird”, sagte Pferdehirt dem Südwestrundfunk (SWR). “Wenn ich den Verantwortlichen zuhöre: Da deeskaliert man nicht. Es scheint eher in die andere Richtung zu gehen.” Es werde verbal
aufgerüstet, sagte Pferdehirt. Die Demonstranten seien am Ende ihrer Geduld, die Regierung gehe sehr aggressiv gegen sie vor. “Die Menschen dort haben ein Recht zu demonstrieren.

Die Ausschreitungen beschreibt der in Venezuelas Hauptstadt Caracas lebende evangelische Pastor Pferdehirt als “Tag der absoluten Ausnahme”. “Unsere Kirche liegt direkt an einem prominenten Platz für
Demonstrationen”, sagte er dem SWR. “Am Mittag und Nachmittag hörte man Schüsse, man hörte das Donnern und nachher kamen dann die Tränengasschwaden zu uns rüber.” Sein Wohnhaus habe er während der Ausschreitungen praktisch nicht verlassen können. Die Stimmung nach den Protesten sei “gespenstisch” gewesen.

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