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Macron erinnert an Völkermord an Armeniern und kritisiert Türkei


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Macron erinnert an Völkermord an Armeniern und kritisiert Türkei

In Paris hat der Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron am Jahrestag des Völkermords an den Armeniern am 24. April 1915 an der Statue des Komponisten Komitas Blumen niedergelegt, um an die etwa 1,5 Millionen Opfer zu erinnern. Macron erklärte, dass er den 24. April als einen Erinnerungstag an den Völkermord an den Armeniern einrichten möchte. Frankreich hat 2001 das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt, was seither die Beziehungen zur Türkei belastet. In Frankreich wird auch die Negation dieses Völkermordes strafrechtlich verfolgt. “Ich bin heute hier, weil ich das Gedenken für einen Schutzwall gegen den Völkermord halte”, erklärte Macron.

Der Gegenkandidat von Marine Le Pen sagte im Gespräch mit Journalisten bei der Gedenkfeier, dass er den Weg der Türkei, den Präsident Recep Tayyip Erdogan eingeschlagen habe “zutiefst bereue und ablehne”. Das Referendum in der Türkei sei “ein autoritäres Abdriften des Regimes”, durch das die Türkei von ihrem Weg abkomme. Schon kurz nach dem Referendum hatte Macron erklärt, dass so kein Vorankommen der Türkei auf dem Weg in die EU erzielt werden könne.

Musiker, Komponist Komitas – Überlebender des Völkermords an den Armeniern

Komitas Vardapet, der auch Soghomon Gevorki Soghomonian genannt wurde, gilt als eine Art Begründer der modernen armenischen Musik. Er war ein Musiker, Komponist, Musikwissenschaftler und Priester, der 1869 in Kütahya in der Türkei (damals Osmanisches Reich) geboren wurde. Seine Mutter starb, als er sechs war und sein Vater wenig später. Aufgrund seines besonderen musikalischen Talents konnte der Junge aber in kirchlichen Institutionen studieren und wurde neu getauft – auf den Namen Komitas. Sein Name als Priester war Vardapet. Mithilfe von Stipendien studierte er auch in Berlin. Als Chorleiter reiste er später durch das ganze Land.

Komitas wurde am 24. April 1915 in Konstantinopel verhaftet und in die Nähe von Ankara deportiert. Fast alle anderen – mehrere Hundert Armenier -, die mit ihm zusammen verschleppt worden waren, wurden ermordet. Komitas überlebte, erholte sich aber nie davon, dass er den Völkermord miterlebt hatte. Freunde brachten ihn in eine psychiatrische Klinik in Frankreich, er verstarb am 1935 in Paris.

Seine sterblichen Überreste befinden sich inzwischen in Eriwan, der Hauptstadt von Armenien.

Völkermord an den Armeniern führt zu Spannungen zwischen Türkei und USA

US-Präsident Donald Trump erklärte, das Massaker an den Armeniern 1915 sei “eine der schlimmsten Massen-Gräueltaten des 20. Jahrhunderts”. Trump sagte auch “Wir müssen an Gräueltaten erinnern, um zu verhindern, dass sie wieder geschehen”.
Das türkische Außenministerium sprach von einer “Fehlinformation” und forderte die US-Regierung dazu auf, auf eine einseitige Darstellung der Geschichte zu verzichten “und sich eine Herangehensweise anzueignen, die das Leid aller Seiten berücksichtigt”.
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag jenen Armeniern im Osmanischen Reich Respekt gezollt, “die unter den harten Bedingungen des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren haben”.
Eine mögliche Verantwortung der türkischen Seite für die Gräueltaten erwähnte er nicht. Zugleich erklärte Recep Tayyip Erdogan, eine Ausgrenzung von Armeniern in der Türkei werde nicht geduldet.

Zwischen Deutschland und der Türkei war es zu einem Konflitk gekommen, nachdem der Bundestag in Berlin 2016 den Völkermord an den Armeniern als solchen anerkannt hatte.

Nach der Armenien-Resolution des Bundestages stiegen laut der Polizei in Berlin auch die gewalttätigen Angriffe dort. Vor allem türkischstämmige Bundestagsabgeordnete wurden bedroht und beleidigt.


Auch türkische Medien berichteten von Macron.


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