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"Hexenjagd" auf homosexuelle Soldaten in Südkorea

Menschenrechtsvertretern zufolge versucht das südkoreanische Militär, mit einer landesweiten Fahndung gegen Homosexualität in den eigenen Reihen vorgehen.

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"Hexenjagd" auf homosexuelle Soldaten in Südkorea

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Menschenrechtsvertreter äußern sich besorgt über die Situation homosexueller Soldaten in Südkorea. Demnach versucht angeblich das südkoreanische Militär, “mit einer landesweiten Fahndung gegen Homosexualität in den eigenen Reihen vorgehen. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Military Human Rights Center for Korea“ (MHRCK) soll Armeechef Jang Jun-kyu eine “Razzia” angeordnet haben, um schwule Soldaten aufzuspüren. Dies gehe aus den Aussagen Betroffener hervor, die die Organisation über mehrere Wochen gesammelt habe.

Auslöser für die Hexenjagd soll ein Video gewesen sein, das zwei junge Soldaten beim Sex zeigte und in Sozialen Netzwerken zirkulierte. Das südkoreanische Militär hatte daraufhin angegeben, den Fall zu untersuchen und veranlasste laut eigener Aussage eine Untersuchung mit fragwürdigen Methoden.

Nach Informationen des MHRCK soll das auf Cyber-Kriminalität spezialisierte Ermittlungsteam der Armee heimlich Dating-Apps für Schwule ausspioniert haben, um so homosexuelle Soldaten zu finden. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte Mitschnitte von Telefongesprächen und Screenshots von Chatverläufen, um ihre Behauptungen zu untermauern.

Die Armee bestätigte die strafrechtliche Untersuchung gegen die zwei Rekruten des Sexvideos, bestritt jedoch, dass es eine systematische Fahndung nach schwulen Soldaten gebe. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu dem Fall nicht äußern.

Homosexualität ist in Südkorea legal. Im davon unabhängigen Militärstrafrecht, das nur für südkoreanische Militärangehörige Anwendung findet, ist Homosexualität mit Gefängnis bedroht.

Südkoreanische Militärgerichte können aufgrund des Artikels 92 der Militärstrafgesetze gleichgeschlechtliche Liebe mit bis zu 1 Jahr Gefängnis bestrafen. Rekruten müssen bei der Musterung eine Vielzahl von Fragen auch über ihre sexuelle Orientierung beantworten und werden gegebenenfalls vom Militärdienst ausgeschlossen.

Die Regierung Südkoreas ließ im November 2008 vom Verfassungsgericht die Rechtmäßigkeit von Artikel 92 überprüfen. Im April 2011 entschied das Gericht, dass das Militär die Strafe aufrechterhalten darf.

Wenn auch legal, ist Homosexualität in Südkorea immer noch gesellschaftlich stigmatisiert: Laut einer Umfrage des US Pew Research Center fänden nur 18 Prozent aller Koreaner Homosexualität “akzeptabel”.

Das Thema Homophobie hat sich inzwischen auch in den aktuellen südkoreanischen Präsidentschaftswahlkampf eingeladen. Der in Umfragen führende Mitte-Links-Kandidat Moon Jae In sagte in der vergangenen Woche in einer Fernsehdebatte als Reaktion auf eine Aussage des konservativen Kandidaten Hong Joon Pyo, dass er gegen Homosexualität sei. Und löste damit eine Welle von Kritik südkoreanischer Menschenrechtsvertreter aus.