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Nach über 200 Jahren wiederentdeckt: "Alcione"


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Nach über 200 Jahren wiederentdeckt: "Alcione"

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Ein Fest der Sinne, ein wahrhafter Sturm der Gefühle: Zum ersten Mal seit 1771 kehrt die Barockoper “Alcione” (auch “Alcyone”), das Meisterwerk des Franzosen Marin Marais, auf die Pariser Bühne zurück.

Die Geschichte der tragischen Liebe zwischen Alcione (Alkyone) und König Céix (Keyx), die Nebenbuhler zu durchkreuzen versuchen. Zum Schluss findet aber doch alles ein gutes Ende.



Die Wiederaufnahme ist vor allem dem katalanischen Gambisten und Dirigenten Jordi Savall zu verdanken. Er hat sich jahrelang darum bemüht, den seit Ende des 18. Jahrhunderts in Vergessenheit geratenen Komponisten wieder bekannt zu machen: “Mein ganzes Berufsleben, seit 1965, habe ich damit verbracht, in die barocke Musik vorzudringen, und das über die Musik von Marin Marais. Mein Traum war schon seit langem, diese ganze poetische, ausdrucksstarke Welt seiner Oper auf die Bühne zu bringen.”


Wiedereröffnung in neuem Glanz


Mit “Alcione” feiert die Opéra Comique in neuem Glanz auch ihre Wiedereröffnung nach zwanzig Monaten Renovierung. Regisseurin Louise Moaty setzte das Werk in Szene: “Das rührt uns alle sehr an, dass das Haus mit ‘Alcione’ wiedereröffnet. Mit dem bühnenbildnerischen Projekt der Oper, dem Gedanken, eine echte Hommage an die Bühnentechnik des Theaters zu sein, ein bisschen zu zeigen, was hinter der Kulisse steckt – da sind wir mitten im Thema.”
Normalerweise hinter den Kulissen versteckt, sind Kabel, Flaschenzüge und Hebel hier Teil des Spektakels. Moaty: “Die Bühnentechnik wurde von Seeleuten entwickelt, das waren die ersten Techniker des Theaters. Deshalb gibt es übrigens heute auf der Bühne noch denselben Aberglauben wie auf dem Schiff, man darf zum Beispiel nicht das Wort ‘Seil’ aussprechen. In diesem Werk ist die Verbindung zur Welt der Seeleute offenkundig, denn das Meer ist sehr präsent, vor allem in der Sturmszene. Das ist die Gelegenheit, um die Verbindung zwischen diesen beiden Welten zu zeigen.”


Marais wieder entdecken


Mezzosopranistin Lea Desandre interpretiert mit nur 23 Jahren feinfühlig die Titelrolle. “Jordi Savall hat uns bei der Tonqualität viel Präzision abverlangt”, erzählt sie, “vor allem bei den nicht vibrierten Tönen, die eine Eigenart der Barockmusik sind. Das ist für uns viel Arbeit, denn die Stimme vibriert von Natur aus, man muss sie also ständig kontrollieren.”



Savall: “Wichtig ist die richtige Mischung aus Deklamation, Erzählung und Gesang. Man muss sie gut dosieren – denn nur dadurch können wir das Publikum durch die Emotion im Gesang anrühren.” Und: “Das muss authentisch klingen. Wenn man bei der Musik nur so tut, dann bringt man keine Gefühle rüber.”

Alles soll stimmen bei dieser Wiederentdeckung, erklärt Savall: “Wenn Sie eine Oper von Mozart aufführen und die kommt nicht an, sagen Sie ‘ach, was für eine schlechte Aufführung’. Aber niemand wird auf die Idee kommen, ‘oh, was für ein mittelmäßiger Komponist!’ zu sagen. Wenn Sie aber ein unbekanntes Werk aufführen und schlecht interpretieren, dann sagt man oft ‘ach, das ist ein langweiliger Komponist’. Diese Wiederentdeckung ‘Alciones’ soll den Genius von Marin Marais enthüllen.”

“Alcione” ist in der Opéra Comique in Paris zu sehen bis zum 7. Mai 2017.

Die Oper wird außerdem in Versailles am 8., 10. und 11. Juni 2017 aufgeführt und in Caen am 10. und 12. Januar 2018.

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