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Gewalt eskaliert weiter in Venezuela

Nationalgarde und Polizei immer brutaler, keine Informationen zum Gesundheitszustand des inhaftierten Oppositionsführers, angeblich 85 junge Offiziere verhaftet

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Gewalt eskaliert weiter in Venezuela

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Bei den blutigen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten starben
in Venezuela seit Anfang April insgesamt 37 Menschen, über 800 wurden verletzt. Einer der Toten ist ein 18-jähriger Bratschist eines Jugendorchesters. Er war am Mittwoch bei Protesten mutmaßlich von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden. Der venezolanische Stardirigent Gustavo Dudamel forderte Staatspräsident Nicolás Maduro auf, die Unterdrückung zu stoppen. Die Auseinandersetzungen eskalieren immer weiter, zum Einsatz kommen dabei unter anderem Nationalgarde und Polizei, die immer brutaler vorgehen. Schlüsselfaktor in dem Konflikt ist aber das Militär, Maduro hat gezielt versucht, seine Macht dort auszubauen. Nach Angaben aus der venezolanischen Opposition sind gerade wegen Kritik am Vorgehen der Regierung vor allem 85 jüngere Offiziere der Streitkräfte festgenommen worden.

Seit Staatschef Nicolás Maduro angekündigt hatte, dem Land ohne Beteiligung des Parlaments eine neue Verfassung geben zu wollen, eskaliert die Gewalt mit jedem Tag. Und seit einem Monat fehlen gesicherte Informationen über den Zustand des inhaftierten venezolanischen Oppositionsführers Leopoldo Lopez. Der war bis zu seiner Verhaftung der wichtigste Gegenspieler Maduros und gilt im Falle einer Freilassung als ein Favorit auf das Präsidentenamt. Wenn ihm etwas zustoßen sollte, könnte die Lage im Land vollends eskalieren. Die jüngsten Proteste gegen Maduro waren Anfang April ausgebrochen, nachdem der Oberste Gerichtshof das Parlament entmachtet hatte. Die Opposition kämpft für vorgezogene Parlamentswahlen und eine Volksabstimmung über die Absetzung des Staatschefs, dessen Mandat regulär im Januar 2019 endet. Das Land mit den größten Ölreserven der Welt steckt unter anderem wegen der Misswirtschaft der regierenden Sozialisten in einer dramatischen Wirtschaftskrise.