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Frankreichwahl: Sieger Emmanuel Macron will das Land mit Liebe und Begeisterung wieder versöhnen

Der Sieger der französischen Präsidentschaftswahl Emmanuel Macron hat sich – unter den Klängen der Europahymne – auf den Weg gemacht, Frankreich wieder zu…

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Frankreichwahl: Sieger Emmanuel Macron will das Land mit Liebe und Begeisterung wieder versöhnen

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Der Sieger der französischen Präsidentschaftswahl Emmanuel Macron hat sich – unter den Klängen der Europahymne – auf den Weg gemacht, Frankreich wieder zu versöhnen. Dem 39-Jährigen ist gelungen, was vor einem Jahr nur sehr wenige für möglich gehalten hatten: er hat ohne den Rückhalt einer politischen Partei eine deutliche Mehrheit hinter sich versammelt und den Erfolg von Marine Le Pen in deutlichen Grenzen gehalten.

Emmanuel Macron erreichte etwa 66 Prozent der Stimmen, Marine Le Pen knapp 34 Prozent. Das offizielle Endergebnis sollte erst am Montag vorliegen.

Vor seinen Anhängern vor der Louvre-Pyramide in Paris sagte Macron: “Ich richte meine Worte an die, die für Madame Le Pen gestimmt haben.” Er wird von Pfiffen und Buhrufen unterbrochen. “Pfeift nicht. Sie haben ihre Wut zum Ausdruck gebracht, ihre Verwirrung, einige ihre Überzeugung. Ich respektiere sie, aber ich werde alles tun in den kommenden fünf Jahren, damit sie keinen Grund mehr haben werden, Extreme zu wählen.”

Mit Blick auf die im Juni anstehenden Parlamentswahlen sagte der gewählte Präsident: “Unsere Aufgabe ist riesig, und es liegt an uns, ab morgen eine echte Mehrheit aufzubauen, eine starke Mehrheit, die den Wechsel ermöglicht, den das Land will und den es verdient. Die Mehrheit für den Wechsel erwarte ich von Euch in sechs Wochen, für diese Aufgabe brauche ich weiter Eure Hilfe.”

Mit Spannung wird erwartet, wen Emmanuel Macron zum Regierungschef macht und welche Mitglieder der Zivilgesellschaft er in sein Kabinett holt.

Im ersten Wahlgang sah das noch anders aus: Da hatte Macron mit 24,01 Prozent nur einen knappen Vorsprung gegenüber Le Pen, die 21,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.

Le Pen hat ihre Niederlage akzeptiert und bereits kurz mit Macron telefoniert. Das Gespräch sei kurz, aber herzlich gewesen, heißt es aus dem Umfeld des ehemaligen Wirtschaftsministers.

In mehreren französischen Städten sind nach Macrons Wahlsieg linksextreme Demonstranten auf die Straße gegangen. In Nantes waren es rund 450, die mit Spruchbändern Parolen wie “Wir sind unregierbar” ausgaben und Macron zum Rücktritt aufriefen. Sie bewarfen die Polizei mit Steinen, diese setzte Tränengas ein. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Die ersten Momente nach der Wahl First moments after French presidential election

Geringe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war bis zum späten Nachmittag niedriger als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Zu klar waren wohl die Prognosen, die schon lange Macron in einem zweiten Wahlgang deutlich vor Le Pen sahen. Der große Rechtsruck war also keine wirkliche Gefahr für die Franzosen, die zu einer starken Mobilisierung von Wählern geführt hätte.

Bemerkenswert ist das deshalb, weil die im ersten Wahlgang gescheiterten Präsidentschaftskandidaten von links bis rechts des politischen Spektrums sowie der bisherige Präsident François Hollande eine breite Front gegen Rechts, gegen Marine Le Pen, gebildet haben. Sie riefen die Wähler dazu auf, zur Wahl zu gehen, um einen Rechtsruck des Landes zu verhindern.

Den wohl ungewöhnlichsten Aufruf zur Wahl machte aber Thomas Pesquet, der französische Astronaut auf der Raumstation ISS. Er schrieb an seine Fans auf Twitter: “Vergesst heute nicht zu wählen”. Er selbst hat auch seine Stimme abgegeben, mit Hilfe einer Vollmacht.

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