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Marine Le Pen hat den Kampf um die Präsidentschaft verloren

Rechtspopulistin Le Pen wurde nicht zur ersten französischen Präsidentin gewählt. Ihre Partei kündigte an, die Politik des Landes auch in Zukunft aufzumischen.

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Marine Le Pen hat den Kampf um die Präsidentschaft verloren

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Der Front National wurde von Jean-Marie Le Pen in den Siebzigerjahren gegründet. Damals spielte die Partei in Frankreich kaum eine Rolle. Doch Jean-Marie Le Pen schaffte es, dass der sogenannte FN dreißig Jahre später zur zweitstärksten Kraft des Landes wurde.

Marine Le Pen ist die jüngste von Jean-Marie Le Pens drei Töchtern. Die gelernte Rechtsanwältin übernahm nach und nach mehr Verantwortung in der Partei. Bis sie 2011 den Vater ablöste und zur Vorsitzenden gewählt wurde. Marine Le Pen setzte sich mit 67,65 Prozent der Stimmen gegen Bruno Gollnisch durch, der lange Zeit stellvertretender Vorsitzender des Front National war.

Bei den Präsidentschaftswahlen von 2012 verpasste Marine Le Pen als Drittplatzierte die Stichwahl – mit 17,9 Prozent der Stimmen, dem bisher besten Ergebnis für den Front National.

Den Front National “entteufeln”

Zu verdanken hatte sie dieses wohl auch ihrer neuen “Strategie der Entteufelung” – wie Marine Le Pen sie selbst nennt. Seit Anfang 2000 versucht die Front-National-Chefin, sich deutlich von ihrem Vater abzugrenzen, die Partei vom rechten Rand wegzuführen und für die bürgerliche Mitte wählbar zu machen.

Doch Marine Le Pens Wahlprogramm bleibt radikal: Die Rechtspopulistin will Frankreich raus aus dem Euro führen, illegale Einwanderung stärker bekämpfen und eine Steuer auf Arbeitsverträge für Ausländer einführen. Die Franzosen will sie über einen “Frexit” – den Austritt Frankreichs aus der EU abstimmen lassen.

Harte Thesen in weiche Worte verpackt

Marine Le Pen spricht mit ihrem Programm viele junge Wähler an. Nicht zuletzt, weil sie früher als viele andere Politiker die sozialen Medien für sich entdeckt hat. Im Gegensatz zu ihrem Vater tritt Marine Le Pen bewusst kumpelhaft und freundlich auf, setzt ihrem harten Programm oft weiche Worte entgegen.

Ihre Kampagne ist gut durchkoordiniert. Trotzdem war auch Le Pens Wahlkampf von Skandalen geprägt. Die französische Justiz ermittelt gegen Le Pen wegen eines IS-Gräuelfotos, das sie über Twitter teilte. Außerdem laufen Ermittlungen wegen Veruntreuung. Marine Le Pen soll FN-Mitarbeiter rechtswidrig mit EU-Geldern bezahlt haben.

Trotzdem schaffte es die FN-Chefin, im ersten Wahlgang am 23. April 21,3 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen und knapp hinter Emmanuel Macron in die Stichwahl einzuziehen.

Jetzt musste sich Marine Le Pen dem parteilosen Macron auch im zweiten Wahlgang geschlagen geben. Doch der Front National hat bereits das nächste Ziel fest im Blick: Die Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni. Marine Le Pen und ihre Partei hatten schon im Vorfeld der Wahl angekündigt, auch im Fall einer Niederlage das politische Leben in Frankreich weiterhin aktiv aufzumischen.