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Royal Jordanian Airways: Mit politischem Witz ran an den Kunden

Darf man in der Werbung politische Witze machen?

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Royal Jordanian Airways: Mit politischem Witz ran an den Kunden

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Darf man in der Werbung politische Witze machen? Die Werber der Royal Jordanian Airways fragen nicht lang.

“Sometimes going left feels right”, so der Tweet nach der Präsidentenwahl in Frankreich. “Manchmal ist linksrum richtig” – und ein roter Flieger steuert – linksrum – von Amman aus Paris an.

Nächster Streich:

“France is not that far….right” was heißen kann: “Nach Frankreich ist es nicht so weit, oder?” aber auch “Frankreich ist gar nicht so rechtsaußen.”

Schon vorher hatte Royal Jordanian mit Witz und Satire in Sozialen Medien gepunktet.

Khalil Attieh, Memac Ogilvy Public Relations:

“Die RJ (Royal Jordanian)-Kampagnen haben in einer kurzen Zeitspanne mehr als 600 Millionen Aufrufe und Interessenbekundungen an der Marke gesammelt. Das hat unsere Erwartungen übertroffen.”

“Zwölf Dinge, die man tun kann, wenn man auf einen 12-Stunden-Flug seinen Laptop nicht mitnehmen darf” – hieß die Reaktion auf das Verbot für Passagiere von Golf-Airlines, auf bestimmten Routen in die USA größere elektronische Geräte im Handgepäck mitzunehmen. Washington hatte dies mit neuen Terrorgefahren begründet.

Der Verantwortliche bei Royal Jordanian, Server Aydin:

“Erst mal sind wir kein politisches Unternehmen, wir mischen uns in keinem Land ein. Aber was wir im Moment erleben, ist ein Diskriminierungs-Problem, nicht nur in der Airline-Branche und nicht nur in der vergangenen drei oder sechs Monaten.”

Und da wird in dem Werbeclip aus dem Spaß plötzlich herber Ernst, Realsatire.

“Die schauen mich an und sehen nur eine Hautfarbe, einen Namen, einen Bart , ein Buch,” so ein Mann aus dem Nahen Osten im Flieger, umgeben von leeren Sitzplätzen, misstrauischen Blicken ausgesetzt. “Ich habe keine Angst vor dem Fliegen, aber die Leute um mich herum haben Angst vor mir. Wer Angst hat, diskriminiert und die Diskriminierten haben dann noch mehr Angst.”

Die Botschaft im Werbevideo:

“Fürchten Sie sich nicht, “Nein” zur Diskriminierung zu sagen.”

ZWEIFEL AM ARGUMENTSICHERHEIT

Beim Laptop-Verbot hatten Experten den Sinn eines solchen Verbots unter Sicherheitsgesichtspunkten bezweifelt. Sie witterten hier vielmehr nicht nur eine Verbindung zu den US-Einreisebeschränkungen für Muslime, sondern auch klare wirtschaftliche Motive. US-Präsident Donald Trump hatte den Chefs der großen einheimischen Fluggesellschaften bei einem Treffen im Februar versprochen, ihnen im Wettbewerb mit großen Fluggesellschaften vom Persischen Golf, die von hohen Subventionen ihrer Heimatregierungen profitieren, zu helfen.

US-Airlines wie Delta, United Continental und American klagen seit Jahren über den unfairen Wettbewerb, vor allem mit den Konkurrenten aus den Golfstaaten. Carrier wie Ethad, Emirates oder Quatar Airways, aber auch Turkish Airlines haben die Flughäfen in Dubai, Doha und Istanbul in den vergangenen Jahren mit staatlicher Unterstützung zu riesigen Hubs ausgebaut. Millionen Passagiere aus der ganzen Welt fliegen von hier in die USA. Allein Dubai, der weltweit verkehrsreichste Flughafen, wird dieses Jahr voraussichtlich 89 Millionen Passagiere abfertigen.

su mit Reuters