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Wie haben die Franzosen gewählt?

Le Pen hat vor allem Anhänger im Nordosten und am Mittelmeer, Macron in den Städten und im Westen.

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Wie haben die Franzosen gewählt?

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Emmanuel Macrons Sieg über die Politikerin des rechtsextremen Front National sorgt für Enthusiasmus in Frankreich, allerdings nur bedingt: Die politische Landschaft bleibt stark gespalten.

Auf der einen Seite überzeugte pro-europäische, eher einkommensstärkere Macron-Wähler in den großen Städten, auf der anderen die Le Pen-Anhänger auf dem Land und im industriellen Nordosten. Nicht zu vergessen die hohe Anzahl an Enthaltungen und ungültigen Stimmen.

Der Westen und Südwesten stimmte massiv für Macron, vor allem traditionell linke Regionen wie die Bretagne. Er schaffte die Mehrheit in fast allen Départements bis auf Aisne und Pas-de-Calais, Le Pens Hochburg. Die Front National-Kandidatin hatte auch großen Rückhalt in einigen Kommunen am Mittelmeer.

Macron erzielte sein bestes Ergebnis in Paris mit fast 90% der Stimmen, er schnitt gut ab in fast allen großen Städten.

Überschattet wird der Sieg jedoch von den vielen Enthaltungen. Knapp 25% der Stimmberechtigten gingen nicht wählen. Ein Trend, der in den vergangenen Jahren stetig wuchs: 2012 waren 20 und fünf Jahre zuvor noch 16%.

Besonders betroffen von den Enthaltungen sind der Nordosten des Landes, das Mittelmeerbecken und Korsika – die Regionen, in denen Le Pen großen Rückhalt hat.

Ein weiterer Negativ-Rekord: Noch nie haben so viele Menschen bei einer Präsidentenwahl einen leeren Stimmzettel abgegeben (fast 9%) oder ungültig gewählt (rund 3%).

Etwa jeder dritte wahlberechtigte Franzose wollte sich weder für Macron noch für Le Pen entscheiden.

Das war 2002 noch anders, als sich der Konservative Jacques Chirac und der Front National-Gründer Jean-Marie Le Pen bei der Präsidentschaftswahl gegenüberstanden. Anhänger anderer Parteien wählten damals massiv Chirac, um den Front National zu verhindern. Eine Strategie, die Franzosen “Front républicain” nennen. Chirac wurde damals mit rund 82% der Stimmen gewählt.

Doch diesmal wollten sich viele Franzosen nicht zwischen einer rechtsextremen und einem globalisierungsfreundlichen Kandidaten entscheiden. Frankreichs Parteienlandschaft bleibt stark gespalten. Und das wird sich wohl das nächste Mal bei der Parlamentswahl im Juni zeigen – wahrscheinlich zum Nachteil Macrons, der eine breite Mehrheit zum Regieren bräuchte.