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Portugal lässt die Korken knallen

Vor einem Jahrzehnt sahen Aktien am weltweit größten Kork-Produzenten, Corticeira Amorim aus Portugal, nicht gerade aus wie der große Renner.

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Portugal lässt die Korken knallen

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Vor einem Jahrzehnt sahen Aktien am weltweit größten Kork-Produzenten, Corticeira Amorim aus Portugal, nicht gerade aus wie der große Renner.

Der größte Kunde, die Weinindustrie, flirtete mit preiswerteren Produkten, mit Drehverschlüssen und Plastikstöpseln. Viele Premium-Winzer kritisierten die echten Korken aus Baumrinde – weil der Wein gelegentlich danach schmeckte, also “korkelte”.

Carlos de Jesus, Corticeira Amorim:

“Ich meine, wenn man 12, 14, 15 Jahre zurückschaut, war die Prognose für Kork alles andere als optimistisch. Heute sieht das ganz anders aus”

Wie gut, dass die traditionellen Korkeichen in Portugal trotzdem stehenbleiben durften. Die Korkindustrie hat seither ein Comeback erlebt: Der Wert der in Lissabon notierten Amorim-Aktie hat sich fast versechsfacht und Korkexporte aus Portugal, dem weltweit marktbeherrschenden Herstellerland auf einem 1,2 Milliarden-Euro-Weltmarkt, haben den vor 15 Jahren gesetzten Rekordwert wieder erreicht.

Joao Ferreira, Korkverband APCOR:

“Die Trends sind sehr klar, der weltweite Weinverbrauch bewegt sich von der Masse zur Klasse, so dass wir weniger Verbrauch haben, aber bessere Qualität. Die Konsumenten weltweit haben eine riesige Präferenz für echte Korken im Vergleich zu alternativen Verschlüssen.”

Und die Flaute lehrte noch ganz andere Dinge: Man kann aus dem wärmedämmenden, schallisolierenden Naturmaterial auch noch ganz andere Dinge machen: Teppiche, Schmuck oder Straßenbahnsitze.

DIE KORKEICHE

Die Korkeiche (lat. Quercus suber) ist ein immergrüner Laubbaum, der stark im westlichen Mittelmeerraum beheimatet ist, besonders in Portugal. Dort gibt es, vor allem im Hinterland der Algarve und im Alentejo, mehr als 720.000 Hektar Korkeichenwälder, die für hochwertigen, nachwachsenden Rohstoff sorgen. Die Korkindustrie hat erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für das Land im Südwesten Europas.

Der Produktionsanteil Portugals liegt bei rund 50 Prozent. Spanien erzeugt 30 Prozent, Marokko, Algerien und Tunesien zwischen sechs und vier Prozent, Italien drei Prozent und Frankreich zwei Prozent des Korks in der Welt.

Korkeichenbestände gelten als widerstandsfähig bei Waldbränden, mindern die Erosion, speichern gut Wasser und helfen sehr mit, die Bildung von Wüsten zu vermeiden. Ferner binden die Korkeichenbestände in der Mittelmeerregion so viel Kohlendioxid, dass damit der jährliche Ausstoß von deutlich mehr als drei Millionen Autos neutralisiert werden kann.

Eine ausgewachsene Korkeiche erreicht rund zwei bis fünf Meter Stamm-Umfang und bis zu 30 Metern Höhe. Wird sie gut gepflegt und bewirtschaftet, kann sie bis zu 250 Jahre alt werden. In Portugal und Spanien dient der Korkeichenwald einigen Tieren wie etwa dem Pardelluchs, dem spanischen Kaiseradler und der Grosstrappe als Lebens- und Rückzugsraum. Hier überwintern auch mehr als 50.000 Kraniche aus ganz Europa.

Rund 30 Jahre nach seiner Pflanzung wird ein solcher Baum interessant für die Korkgewinnung: Erst dann kann die Rinde zum ersten Mal vom Stamm geschält werden. Danach ist das alle acht bis zwölf Jahre möglich. Geschält wird höchstens ein Drittel der Rinde eines Baums. Bei jeder Schälung liefert ein Stamm zwischen 50 bis 150 Kilogramm. Schäden erleidet die Korkeiche beim Schälen nicht. Die Neubildung der Rinde wird angeregt. Wie nur wenige andere Bäume ist die Korkeiche in der Lage, Rinde immer wieder neu zu bilden. Sie ist stark elastisch und besteht hauptsächlich aus Zellulose. Die ungewöhnliche Robustheit der Rinde schützt die Korkeiche gut vor Dürren, Feuersbrünsten und mechanischen Beschädigungen.

su mit Reuters