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In Somaliland droht Hungersnot


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In Somaliland droht Hungersnot

Laut UNO ist es die schlimmste humanitäre Krise der vergangenen siebzig Jahre. Zwanzig Millionen Menschen sind von Dürre bedroht am Horn von Afrika, im Jemen, in Nigeria und Südsudan. Wir wollten in Somaliland sehen, was getan wird, damit aus der Notlage keine Hungersnot wird.

Allein in Somalia sind mehr als sechs Millonen Menschen auf Hilfe angewiesen. 680.000 Menschen sind dort seit November vor der Dürre geflohen. Schätzungsweise fast eineinhalb Millionen Kinder riskieren dieses Jahr in Somalia akute Unterernährung.

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Es ist die vierte Regenzeit mit nur wenig oder gar keinem Regen in Somaliland. Der faktisch existierende, aber international nicht anerkannte Staat im Norden Somalias war einer der ersten, die vor drei Jahren von der Dürre getroffen wurden. Seitdem haben die Bauern in abgelegenen Gebieten wie im Dorf Sheich Awaare den Großteil ihres Viehs eingebüßt. So auch Qoran Osman: “Ich bin hier geboren, wie all meine Kinder. Ich habe nie eine Dürre wie diese erlebt. Ich hatte 200 Ziegen, und jetzt habe ich noch zwanzig.”

Qoran und etliche andere Bewohner wurden von der regierungsunabhängigen Hilfsorganisation Concern ausgewählt und erhalten Geld, um im Dorfladen einkaufen zu können. Das Projekt wird vom Amt für humanitäre Hilfe der EU finanziert. Es unterstützt mehr als 170 Familien. “Ich bekomme 112 Dollar”, erzählt Qoran, “das hilft, um über die Runden zu kommen. Ich habe Mehl gekauft, Öl, Zucker und Teeblätter.”

Die finanzielle Unterstützung wird über High-Tech abgewickelt: Qoran erhielt eine SIM-Card, über die die Hilfsorganisation das Geld transferiert. Die Transaktion findet mit dem Handy just vorm Laden statt, der einzigen Stelle mit funktionierendem Netz – wenn alles klappt…

Concern unterstützt mehr als 90.000 Familien in Somalia, teilweise mit Mitteln der EU, ob mit Geld für Nahrung, Wasser oder medizinischer Betreuung. Die Dorfbewohner hier haben seit Beginn der Dürre zum ersten Mal Hilfe erhalten. Diese wird im Nachhinein überprüft. Concern-Mitarbeiterin Mercy Gitau: “Das Hauptproblem ist, dass sie das Gefühl haben, dass nur wenige von all den Betroffenen ausgewählt wurden. Wir haben drei Finanztransfers für sie geplant, das wird also bis Juni reichen. Aber wir wissen, dass die Lage sich bis dahin kaum ändern wird, denn die Regenvorhersage sieht nicht gut aus. Wir wissen also, dass sie noch weiter Hilfe brauchen werden.”

Das Projekt ist Teil einer breiteren Strategie, mit der einer Hungersnot vorgebeugt werden soll. Somalia gab im Januar eine Frühwarnung aus, sodass die internationale Hilfsmaschinerie anlaufen konnte. Vor nur sechs Jahren gab es in Somalia schon einmal eine Hungersnot, die mehr als eine Viertelmillion Menschen das Leben kostete. Hat sich die Krisenreaktion verändert? Ja, bekräftigt Heather Blackwell von der EU-Generaldirektion Humanitäre Hilfe: “Heute ist die Krisenreaktion besser vorbereitet und ausgeweitet. Bevor eine Hungersnot deklariert wird, haben wir schon Informationen über den Rückgang der Lebensmittelvorräte, Zahlen zur Mangelernährung, Lebensmittelpreise auf den Märkten – all das sind für uns Indikatoren, dass etwas im Gange ist. Diesmal haben wir diese Informationen genutzt, um früher zu reagieren.”

Schwierigkeiten beim Zugang zu Wasservorräten verschärfen die Krise in trockenen Gegenden. Manche Gemeinden kaufen Wasser zu Preisen, die wegen der Dürre steigen. Weiter südlich im Dorf Baldheere änderte der Bau eines Wassertanks das Leben der ganzen Gemeinde. Der Tank wurde erst im März fertiggestellt. Die Organisation Concern baute in den vergangenen 25 Jahren etwa fünfzig solcher Tanks in Somalia, in Somaliland jüngst rund zwanzig – ebenfalls hauptsächlich mit EU-Mitteln. Jeder Familie stehen vierzig Liter Wasser pro Tag zu. Mercy Gitau: “Der Tank fasst 270.000 Liter Wasser, das reicht für 300 Familien und zwanzig Tage, mit einem Durchschnitt von siebeneinhalb Litern pro Person am Tag.”

Das Minimum, das die Weltgesundheitsorganisation ansetzt. Etwa zwanzig Liter pro Kopf und Tag seien nötig, um den grundlegenden Hygiene-Bedarf und Lebensmittelhygiene zu sichern.

Bevor der Tank gebaut wurde, war eine Tagestour nötig, um Wasser zu beschaffen, erzählt Faduno Muse Habane: “Wir sind sechs Kilometer nach Aubare in Äthiopien gelaufen. Gab es zwischen beiden Ländern Spannungen, wurde die Grenze gesperrt. Dann mussten wir fünfzehn Kilometer laufen. Ich bin früh morgens los und kam manchmal um sieben Uhr abends heim.”

Die UNO rechnet mit mehr als fünf Millionen Menschen in Somalia, die dieses Jahr Hilfe brauchen. Die Bewohner der Dürregebiete hoffen weiter auf Regen …

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