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Weiter Massenproteste in Venezuela

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Weiter Massenproteste in Venezuela

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Rund 50 Tage nach Beginn der Massenproteste gegen Venezuelas sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro sind im ganzen Land erneut Hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen. In der Hauptstadt Caracas kam es beim «Marsch der Millionen» aber zu schweren Ausschreitungen, die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Es war eine der größten Kundgebungen bisher, ein Menschenmeer zog durch Caracas. In allen 23 Bundesstaaten kam es zu Großkundgebungen. Bisher starben bei Protesten und Plünderungen 48 Menschen, es kam zu über 2000 Festnahmen. Die Opposition wirft Maduro vor, das von einer dramatischen Versorgungskrise erschütterte Land mit den größten Ölreserven in eine Diktatur zu verwandeln und fordert Neuwahlen.

Auch in der von deutschen Einwanderern gegründeten Stadt Colonia Tovar kam es zu heftigen Ausschreitungen. Der Ort mit seinen rund 20 000 Einwohnern wurde bis auf weiteres unter Militärkontrolle gestellt. Bei Protesten gegen Maduro war dort zuvor der Sitz der Nationalparkbehörde angegriffen worden, Autos wurden angezündet. Zunächst wurde mit Straßenblockaden versucht, ein Einmarschieren des Militärs zu verhindern. Die Nationalgarde soll ein 13-jähriges Mädchen angefahren haben, das verletzt wurde, hieß es. Bilder zeigten Tränengaswolken vor dem malerischen Stadttor – Colonia Tovar erinnert mit Fachwerkhäusern und Einkehrmöglichkeiten wie dem Café «Muhstall» an den Schwarzwald. Der Ort liegt eine Stunde von Caracas entfernt.

Die Kolonisten waren von Venezuela angeworben worden, der spätere Präsident Manuel Felipe de Tovar schenkte ihnen das Land, auf dem sie Obst und Gemüse anbauten. Erst durch den Bau einer Straße wurde Colonia 1964 richtig an die Außenwelt angeschlossen, der Tourismus wurden dadurch zur Haupteinnahmequelle in der deutschen Kolonie.