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"Ostalgie-Therapie" gegen Demenz


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"Ostalgie-Therapie" gegen Demenz

Es klingt fast nach Wolfgang Beckers Kultfilm “Good Bye, Lenin!”. in dem ein junger Mann seiner schwer kranken Mutter kurz nach dem Mauerfall das Fortleben der DDR vortäuschte. In einer Dresdener Seniorenresidenz setzt man bei der Behandlung von Demenz-Patienten auf eben diesen“Ostalgie”-Effekt. Mit Erfolg…

Zwei Räume des Heims wurden liebevoll mit Original-DDR-Artikeln vom Flohmarkt dekoriert. In dieser für die zumeist über 70-Jährigen offensichtlich angenehmen Atmosphäre werden lang zurückliegende Erinnerungen wach, auch vergessene Alltagstätigkeiten sind plötzlich wieder möglich. Gunter Wolfram, der Leiter Alexa-Seniorenresidenz, kam eher zufällig auf die Idee, als er den Fernsehraum vor zwei Jahren einrichtete und dabei einen DDR-Motorroller “Troll“als Dekorationsobjekt dazustellte.

Der anregende Effekt war sofort zu spüren. Viele essen Patienten essen wieder selbstständig oder gehen allein auf die Toilette. “Wir haben festgestellt, dass damit auch verloren gegangene Fähigkeiten wieder auftauchen. Bewohner, die sehr immobil und sehr ruhig gewesen sind, sind wieder deutlich aktiver.”

Wolfram beschloss, einen eigenen Heimbereich im Stil der DDR einzurichten. Bald kam ein zweiter Raum dazu – und DDR-spezifische Aktivitäten, etwa wie die Zubereitung beliebter Gerichte.

Demenzexpertin Herlind Megges von der Berliner Charité bestätigt, dass Erinnerungstherapie, den Zustand von Demenz-Kranken verbessern kann. “Weil sie genau das aktiviert, was noch vorhanden ist und das gut geht. Und zwar ganz automatisch. Erinnerungstherapie allgemein kann nicht nur mit Gegenständen geschehen, sondern über Gerüche und vor allem über Musik.”

Objekte aus früheren Lebensphasen, die mit Glücksgefühlen verbunden sind, können zu einer physischen und kognitiven Verbesserung beitragen, sagt Megges. Die Ostalgie-Therapie stößt auf regen Zuspruch. Die Warteliste des Heims ist voll.